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MI | 21.03 | 17:47
7. Oktober 2010 Dagmar Ruhwandl: "Burnout-Prävention"

Definition von Burnout
Die Definition von Burnout besage schon sehr viel über diese Erkrankung, sagt die Psychotherapeutin und Fachärztin für Psychiatrie Dagmar Ruhwandl.

Burnout heiße, dass die eigenen körperlichen und seelischen Reserven erschöpft seien. "Man startet anfänglich voll ins Leben, braucht die Kräfte auf und irgendwann ist überhaupt nichts mehr davon da und wir können auch keinen Nachschub besorgen, weil uns die Kraft dazu fehlt", umreißt Dr. Ruhwandl die Themenstellung.

Sie bedient sich des Bildes vom Handy, wo der Akku regelmäßig aufgeladen werden müsse, damit das Handy funktionstüchtig bliebe. Wenn trotz des Ladekabels, kein Strom mehr vom Akku aufgenommen werden könne, sei der AKKU kaputt. Auf den Menschen beschreibe dies die Burnout-Erkrankung, sagt Dagmar Ruhwandl.
Burnout-Beispiel Skispringer Sven Hannawald
Auf der Homepage von Dagmar Ruhwandl wird das am Krankheitsverlauf des berühmten Skispringers Sven Hannawald verdeutlicht. Sven Hannawald hat sich im Mai 2004 wegen eines Burnout-Syndroms aus dem Hochleistungssport zurückzogen.

Der Sportler hatte bereits in den vergangenen Wintern nach anstrengenden Wettkämpfen stets davon gesprochen, dass seine "Akkus leer" seien, er abschalten müsse. "Ich will das Feuer in mir wieder finden", begründete Hannawald. Er wolle seinem Körper die nötige Ruhe geben. Der Sportler machte Urlaub auf Mauritius, in der Dominikanischen Republik und zuletzt auf Ibiza. Doch auch die Auszeiten führten nicht zur Besserung.
Burnout-Frühwarnsystem
Es gebe ein Frühwarnsystem für das Burnout- Syndrom, sagt Dagmar Ruhwandl: Sie zählt Gereiztheit, Gleichgültigkeit und Gefühllosigkeit dazu. "Wenn ich emotional nicht mehr mitmachen kann, und versuche, den Kontakt zu den Menschen zu vermeiden. Wenn keine Gespräche mehr geführt werden wollen, und man selbst an kleinen Ereignissen nicht mehr teilnehmen will", sei, so Dagmar Ruhwandl, Gefahr in Verzug.

Letztlich gehe das Selbstvertrauen verloren, man habe keine positiven Erlebnisse mehr.

Meistens werde die Leistung bis ganz zum Schluss aufrechterhalten: „...bis man zusammenbricht“, beschreibt Dr. Ruhwandl die Dramatik des Krankheitsverlaufs.

Der am Burnout-Syndrom erkrankte Mensch benötige Kontakte und Ruhwandl empfiehlt die Kontakte sogar zu intensivieren, und vor allem auch die Hilfe anzunehmen. Wichtig sei auch der Austausch mit Freunden, mit denen man zum Beispiel über früher dagewesene Erwartungen an den Beruf spreche.
Dagmar Ruhwandl
Dr. Dagmar Ruhwandl aus München ist
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und
seit zwölf Jahren spezialisiert auf das Thema Burnout. Sie ist außerdem Lehrbeauftragte an der TU München.
Literaturhinweis
Dagmar Ruhwandl: "Top im Job - Ohne Burnout durchs Arbeitsleben."

Dagmar Ruhwandl: "Erfolgreich ohne auszubrennen: Das Burnout-Buch für Frauen
Beide Bücher sind bei Klett-Kotta erschienen.
"Focus", 7. Oktober 2010