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MI | 21.03 | 17:47
9. OKTOBER 2010 Dr. Brigitte Bösenkopf: "Mut zur Lebensfreude"

Viele Betroffene
400.000 Österreicher leiden an einer behandlungsbedürftigen Depression
Brigitte Bösenkopf umschreibt den Ausgangspunkt ihrer Betrachtungen damit, dass jeder 3. Arbeitnehmer in Österreich unter ungesundem Stress leide und jeder 5. bereits burout-ähnliche Phasen kenne. Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 10 und 20 Jahren seien stressgefährdet. Die Folge sei der Verlust an Lebenslust und Lebensfreude, verweist Brigitte Bösenkopf auf die Problemgruppen.
Symptome für fehlende Lebensfreude
Brigitte Bösenkopf verweist auf die Schlafstörungen als eines der wichtigsten Warnsignale. Das bedeutet nach Bösenkopf, dass Tagesereignisse und Stressoren nicht mehr überwunden werden können. Als weitere Symptome nennt Bösenkopf Herz-Kreislauf-Probleme, Gereiztheit und Nervosität, Depressionen, sozialer Rückzug Konzentrations-und Gedächtnis-Störungen.
Kann man etwas dagegen tun?
Zuvorderst stehe die Ursachen-Analyse. Im fortgeschrittenen Zustand fordert die Stressexpertin Bösenkopf die Beiziehung von Experten.
Stress- und Glückstagebuch
Als hilfreich erweise sich das Führen eines Stresstagebuchs: darin würden jene Momente aufgeschrieben, die die tägliche Kraft raubten und keine Lebensfreude mehr zuließen, so Bösenkopf.

Ins Glückstagebuch trage man sich -trotz aller möglichen Skepsis des Anfangs- kleine Glücksmomente ein. Den größten Erfolg sieht Bösenkopf darin, wenn Patienten das Glückstagebuch auch nach der abgeschlossenen Therapie weiterführen.
Genuss- Lust- und Suchtmenschen
Für Lustmenschen sei die Freude am Genießen und am Genuss wichtig; diese Freude am Genießen sei wie eine innere Urkraft, die die Person mit Energie und Lebenslust erfüllten, umschreibt Bösenkopf die positive Seite. "Genuss-Menschen unterscheiden sich von Suchtmenschen: Genussmenschen bewegen sich innerhalb ihrer eigenen imaginären Grenzen: der Suchtmensch dagegen wird diese Grenze nicht spüren. Lebensfrohe Menschen versuchen sich schöne Erlebnisse schöne Momente zu schenken", ergänzt Bösenkopf.
Lustkiller- nehmen die Lebenlust
"Je mehr es einem um die Lust geht, umso eher vergeht sie einem", zitiert Bösenkopf Viktor Frankl, den Begründer der Logotherapie. Die verzweifelte Suche nach der Lust führe genau zum Gegenteil, gibt sie zu bedenken.
Ein Lächeln wieder hervorzuzaubern
Bösenkopf nennt es einen persönlichen Erfolg, wenn es ihr bei ihren Patienten gelinge, ein Lächeln hervorzuzaubern.
Keine Freude - Kein Genuss
Vermehrt stellt die Stressexpertin und Psychologin Brigitte Bösenkopf fest, dass Menschen mit Panikattacken vorstellig werden; diese Menschen seien diesem Zustand gnadenlos ausgeliefert. Brgitte Bösenkopf erzählt auch von Menschen, die Genuss mit Sucht verwechseln: demnach greifen erschöpfte Menschen nach einem Strohhalm: sie verwechseln den Grad der Erholung und Entspannung mit Suchtverhalten. Sie entwickeln ein Suchtverhalten, wo sie schon anfällig sind: Alkohol, gestörtes Essverhalten, Nikotinsucht und Verhaltenssüchte, die immer dramatischer ansteigen: wie Arbeitssucht, Internetsucht, Spielsucht und Kaufrausch.
Literaturhinweis
Brgitte Bösenkopf "Mut zur Lebensfreude- lustvoll leben, lieben und arbeiten"
(Goldegg Verlag Wien)

Dr. Brigitte Bösenkopf-Psychologin, Mediatorin und Spezialistin für Biofeedback, zu deren Arbeits-Schwerpunkten Burnout-Prävention, Bunrout-Behandlung und Konfliktanalysen zählen
"Focus", 16. Oktober 2010