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MI | 21.03 | 17:47
FOCUS-Sendung vom 2. Dezember 2010 Prof. Dr. Mathias Binswanger: "Die Reduktion als Weg zum Glücklichsein -
Warum mehr Einkommen nicht glücklicher macht."

Text von Johannes Schmidle Ökonomen und die Glücksfrage
Prof. Binswanger stellt die Frage, warum Ökonomen sich mit der Glücksfrage befassen? Es gehe ihnen dabei darum, das Ziel der wirtschaftlichen Tätigkeit zu definieren.
"Die Menschen tun das, was sie für nützlich halten und was sie zufrieden macht. Beabsichtigt ist die Zufriedenheit des einzelnen Menschen. Das ist das Ziel."

Das Einkommen an sich macht noch nicht glücklich, denn um sich zu entfalten, benötigt der Mensch Zeit. Auf der einen Seite gibt es Menschen, die Zeit und wenig Geld haben und andererseits gibt es die Menschen, die viel Geld, aber keine Zeit haben.

Beide Seiten stehen für keinen optimalen Zustand. Das Optimum läge irgendwo dazwischen, umschreibt Prof. Binswanger den gesellschaftlich-ökonomischen Befund. Binswanger zitiert dazu George Bernhard Shaw: "Ökonomie ist die Kunst, das Beste aus unserem Leben zu machen".
Die Tretmühlen des Glücks
Die Tretmühlen des Glücks sind für Professor Binswanger die Statustretmühle, die Anspruchstretmühle, die
Multioptionstretmühle und die Zeitspartretmühle.
Die Tretmühlen dienen ihm als Metapher für das "schnelle" Laufen im Rad, obwohl man immer auf dieselben Stelle tritt. Das heißt, wir laufen dem Geld bzw. dem Einkommen nach, rennen immer schneller und werden doch nicht glücklicher. "Unmittelbar nach einem Lottogewinn sind Gewinner ziemlich glücklich und zufrieden, aber nach einem Jahr sind die gleichen Menschen genau gleich glücklich oder unglücklich wie sie es vor dem Lottogewinn waren. Lottogewinne machen also nur kurzfristig glücklich- es lohnt sich also nicht," bringt Prof. Binswanger materielles "Glück" auf den Punkt.
Den Tretmühlen entkommen
Wir sind aber nicht dazu verdammt, einfach weiter in den Tretmühlen zu verharren und uns weiter vergeblich abzurackern. Es geht nicht um Einkommensmaximierung, sondern um die Maximierung des Glücks, der Zufriedenheit oder, wissenschaftlicher ausgedrückt, des subjektiven Wohlbefindens.

Das Ziel muss sein, den optimalen Mix von Zeit und Geld zu finden, der zu einem möglichst glücklichen Leben führt. Bei der Frage nach dem Glück des Einzelnen trifft sich die ökonomische Betrachtungsweise mit der Psychologie und der Philosophie. Es geht um eine Rückbesinnung auf den eigentlichen Zweck des Wirtschaftens, der nicht in der Einkommensmaximierung, sondern in der Glücksmaximierung besteht.
Literatur
Mathias Binswanger: "Über die Tretmühlen des Glücks. Wir haben immer mehr und werden nicht glücklicher. Was können wir tun?", Herder Verlag.

"Focus", 2.12.10