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MI | 21.03 | 17:47
FOCUS-SENDUNG VOM 2. JUNI 2011 Dr. Franz Josef Köb: "Stolpersteine auf dem Weg zum Glück"
Wenn wir meinen, Glück müsste Dauerglück sein.
Franz-Josef Köb (Bild: ORF)
Franz Josef Köb
„Dauer-Glück“
"Dauerglück widerspricht der existenziellen Situation des Menschen", zitiert Franz Josef Köb den "Psychologie Heute" Chefredakteur Heiko Ernst.„In unserer Lebensweise sind wir tief verstrickt in die Affekte, mit denen wir auf die Zumutungen, Kränkungen und Überforderungen des Alltags reagieren. Typisch sind chronischer Ärger und unterdrückter Zorn, schwelende Ressentiments, aber auch Ängste, Eifersucht, Hass und Depressionen. Ein Großteil des Gefühlschaos ist uns gar nicht mehr bewusst. Es ist uns deshalb nicht bewusst, weil wir es für uns nicht wahrhaben wollen und vor anderen verbergen. In diesem Gefühlschaos mit den inneren Widersprüchen ist Glück nicht der Normalfall, sondern die Ausnahme“, umreißt Franz Köb seine Bestandsaufnahme zum Thema „Dauer-Glück“.
„Der Glaube an die Machbarkeit“
Der Glaube an die Machbarkeit sei ein weiterer Stolperstein. „Glück ist etwas, das einem zufliegt, einem zufällt, geschenkt wird. Man kann es nicht machen, man kann es nicht herstellen, wie uns die Glücksratgeber glauben machen wollen, man kann es auch nicht steuern wie einen technischen Prozess. Glück leuchtet oft unerwartet auf und ist deshalb nicht machbar."
Die schnelle Abnutzung
Das Glück nutzt sich verdammt schnell ab. Es hat eine erschreckend kurze Verfallszeit. Der große Gegenspieler des Glücks ist die Gewöhnung, gibt Franz Josef Köb zu bedenken.
Zudem seien es die die vielen Wahlmöglichkeiten, die unser Glück sabotieren. Die 5000 Brillenfassungen beim Optiker, das überbordende Speiseangebot im Restaurant: warum sind wir nicht glücklicher, obwohl wir von allem genug haben? Warum leiden wir inmitten von alledem so, fragt Franz Josef Köb? „Wir werden von der Fülle der Entscheidungen aufgefressen, wir werden zugemüllt mit Optionen, mit Wahlmöglichkeiten.“
Unsere Erwartungen, die Ansprüche und die Wünsche
„Die Erwartungen sind wie eine Art Schablone, die wir über die Wirklichkeit legen: wenn beide nicht übereinstimmen, dann glauben wir, die Schablone sei richtig, die Wirklichkeit sei falsch.“, nennt Franz J.Köb ein Grundproblem überspannter Erwartungen an das Glück. Die Kunst diese Erwartungen loszulassen sei schwierig, besonders schwierig sei es, die eigenen Erwartungen loszulassen……
Zur Person
Dr. Franz-Josef Köb studierte Wirtschafts-pädagogik an der Wirtschaftsuniversität Wien. Seit 1975 war er Mitarbeiter beim ORF-Landesstudio Vorarlberg; 25 Jahre lang war Dr. köb verantwortlich für die Wissenschaftssendung "Focus - Themen fürs Leben" und für die Vortragsreihe "Fragen unseres Daseins". Seit 2010 leitet und moderiert er die Vortragsreihe "Wissen fürs Leben" bei der Arbeiterkammer Vorarlberg .
Literatur:
Michael Mary. Die Glückslüge: Vom Glauben an die Machbarkeit des Lebens. Bastei Lübbe

Kate Pickett und Richard Wilkonsin. Gleichheit ist Glück: Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind:

François Lelord und Ralf Pannowitsch. Hectors Reise: oder die Suche nach dem Glück. Piper Taschenbuch-Verlag.

Christoph Schligensief. So schön wie hier, kanns im Himmel gar nicht sein. Kiepenheuer und Witsch.

Musik:

CD "Hable con ella"
Editions Milan Music 2002
"Focus", 2.6.11