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MI | 11.04.2012
Haus Montafon (Bild: ORF)
Montafon
Leere Häuser: Denkmalamt in der Kritik
Im Zusammenhang mit den leer stehenden Häusern im Montafon hagelt es Kritik am Bundesdenkmalamt. Hauseigentümer und Museumsvertreter werfen dem Amt vor, zu bürokratisch vorzugehen. Das Amt weist die Vorwürfe zurück.
"Zusammenarbeit reicht nicht aus"
Die Zusammenarbeit zwischen dem Amt und den Eigentümern lasse sehr zu wünschen übrig, sagten Vertreter der Montafoner Museen am Mittwoch in der Sendung "Kultur nach 6" bei Radio Vorarlberg.

Im Hinblick auf die vielen leerstehenden Häuser beispielsweise habe das Amt zwar eine wichtige Funktion. Es komme aber seiner Rolle als Vermittler zwischen Kulturschutz und den individuellen Bedürfnissen der Hauseigentümer nicht ordentlich nach.
Andreas Rudigier (Bild: ORF)
Andreas Rudigier
"Denkmalamt hat zu wenig Personal"
Andreas Rudigier von den Montafoner Museen wirft dem Amt vor, zu bürokratisch zu sein. Es gebe keine Schnittstelle zu den Eigentümern, so Rudigier. Das hänge damit zusammen, dass das Denkmalamt zu wenig Personal habe und dadurch nicht immer anwesend sein könne.

Aber gerade an der Schnittstelle zwischen öffentlichem Pflegeanspruch und persönlichen Wünschen müsse man sensibel zwischen Tradition und modernen Standards abwägen, so Rudigier.

Man wolle die alten Häuser schließlich nicht alle in Museen verwandeln, sondern in genutzte und belebte Gebäude. Im Bundesdenkmalamt sieht man die Dinge anders und hält Verbesserungen nicht für notwendig.
Das Lorenzin-Haus in Gortipohl
Lorenzin-Haus (Bild: ORF)Das Lorenzin-Haus in Gortipohl stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Vorderhälfte des Doppelhauses wurde im Jahr 1548 errichtet, der hintere Teil ist vermutlich noch älter.

Eigentümer Erwin Lorenzin, selbst einst im Baugeschäft tätig, nahm die Renovierung in Angriff. Die Sanierung begann anfangs in Absprache mit dem Denkmalamt. Doch es habe zu viele leere Versprechungen von Seiten des Denkmalamtes gegeben, kritisiert Lorenzin.
Lorenzin-Haus
Haus Montafon (Bild: ORF)
Man habe im Denkmalamt zu wenig verstanden, dass ein altes Gebäude auch heute bewohnbar sein müsse. So sei es ihm beispielsweise verboten worden, das Deckenniveau zu ändern.
Die ganze Diskussion gehe nun über ungefähr zehn Jahre, so Lorenzin. Nun habe er keine Lust mehr und gebe auf.
Renate Madritsch (Bild: ORF)
Renate Madritsch
"Mit besonderer Sorgfalt restaurieren"
Im Denkmalamt glaubt man noch an eine Fortführung des Projekts. Das Lorenzin-Haus gehöre zu den bedeutendsten Häusern des Montafons, so Renate Madritsch vom Bundesdenkmalamt. In dieser Kategorie gebe es nur mehr zehn Häuser, dadurch müsse es mit besonderer Sorgfalt restauriert werden. Im August werde eine Restauratorin kommen.
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