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MI | 11.04.2012
Künstliche Befruchtung (Bild: ORF)
Kinderwunsch
30 Jahre künstliche Befruchtung
In einer Gesellschaft, in der man alles haben muss, soll und kann, bleibt ein Wunsch oft unerfüllbar: ein Kind. Seit 30 Jahren gibt es eine große Hoffnung - die künstliche Befruchtung. Die Spermien des Mannes werden außerhalb des Körpers mit der Eizelle der Frau vereint.
Wunsch erfüllt sich für ein Drittel der Paare
In Vorarlberg wird die künstliche Befruchtung privat in Bregenz oder öffentlich beim Landeskrankenhaus Feldkirch durchgeführt.

Und bei rund 30 Prozent der Paare erfüllt sich der große Wunsch.
So funktioniert die künstliche Befruchtung
Bei der künstlichen Befruchtung wird die Frau durch Hormonpräparate stimuliert. Täglich muss eine Spritze gesetzt werden.

Dann werden die Eizellen entnommen und außerhalb des Körpers mit den Samen des Mannes vereint.

In Österreich darf fünf Tage lang abgewartet werden, bis die befruchteten Zellen wieder eingesetzt werden.

Dann beginnt das große Warten.
Rund 1.000 Euro Selbstbehalt
Rund 250 Paare werden jedes Jahr in Feldkirch betreut.

Vier Versuche werden zu 70 Prozent von einem Fonds bezahlt, es gelten aber strenge medizinische Kriterien. Der Selbstbehalt liegt dennoch bei rund 1000 Euro pro Versuch.
Dr. Norbert Loacker (Bild: Krankenhausbetriebsgesellschaft)
Dr. Norbert Loackaer, Leiter des Kinderwunschzentrums am LKH Feldkirch.
Dr. Loacker zu Gast bei Vorarlberg Heute
Der Leiter des Kinderwunschzentrums am Landeskrankenhaus Feldkirch, Dr. Norbert Loacker war zu Gast in der Sendung "Vorarlberg Heute".

Loacker sagte, dass die Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch gedrittelt werden können: zu einem Drittel sind die Ursachen männlich, zu einem zweiten Drittel weiblich und ein Drittel teilen sich die Paare.

"Rund zehn Prozent aller Paare bleiben aus unerklärlichen Gründen kinderlos. Das sind etwa 15 Prozent der europäischen Bevölkerung", sagte Loacker bei Vorarlberg Heute.
Erstgebärende werden immer älter
Auch im Kinderwunschzentrum des LKH Feldkirch spiegelt sich der gesellschaftliche Trend wider: die Erstgebärenden werden immer älter. Loacker sagt, dass die Frauen, die das Kinderwunschzentrum aufsuchen im Durchschnitt zwischen 35 und 38 Jahre alt sind.

"Für eine positive Behandlung ist das Alter der Frau ein sehr relevanter Aspekt", so Loacker.

Die Hilfe durch das Kinderwunschzentrum wird laut Loacker immer stärker in Anspruch genommen.
Psychologische Begleitung äußerst wichtig
Loacker hält die psychologische Betreuung und Begleitung während den Versuchen einer künstlichen Befruchtung für äußerst wichtig und notwendig.

"Für manche Paare ist es ein sehr mühsamer und leidvoller Weg zu einer Schwangerschaft, der auch von einigen Rückschlägen geprägt sein kann", erklärt Loacker.

Es kommt immer wieder vor, dass einem Paar erklärt werden muss, dass der Kinderwunsch unerfüllt bleiben wird, erklärt Loacker. "Das sind mit die schwierigsten Gespräche, die wir führen müssen. Aber wir können nicht immer erfolgreich gegen biologische Vorgaben ankämpfen."

Deshalb arbeitet das Kinderwunschzentrum eng mit einer speziell geschulten Psychologin sowie mit dem Institut für Sozialdienste zusammen.
Immer mehr Paare aus Deutschland
Das Kinderwunschzentrum in Feldkirch wird immer öfter auch von Paaren aus Deutschland aufgesucht.

Der Grund dafür liegt für Loacker auf der Hand: "Österreich hat in Sachen künstliche Befruchtung eine etwas offenere Gesetzgebung als Deutschland."
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