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MI | 11.04.2012
Schiffswrack Bodensee (Bild: Regierungspräsidium Stuttgart)
ARCHÄOLOGIE
Mittelalterliches Schiffswrack im Bodensee
Aus dem Bodensee wird derzeit ein Schiffswrack geborgen, bei dem es sich um ein Fischerboot aus dem 14. Jahrhundert handeln dürfte. Das teilt das Regierungspräsidium in Stuttgart mit. Das Wrack wurde 2006 vor der Insel Reichenau entdeckt.
Ältestes bisher gefundenes Schiffswrack
Bei dem Schiffswrack dürfte es sich um das älteste im Bodensee bisher gefundene handeln.

Zwar sei der Bodensee schon von den Römern und wahrscheinlich auch von den steinzeitlichen Pfahlbau-Bewohnern mit Schiffen beziehungsweise Einbäumen befahren worden. Ältere Wracks als dieses habe man bisher aber noch nie gefunden.

Die Überreste werden derzeit geborgen. Die Archäologen wollen das Wrack des Holzschiffes nach der Bergung dokumentieren und an einer geschützten und tieferen Stelle vor der Reichenau wieder eingraben. Nur so kann es dauerhaft erhalten bleiben.
Eisläufer entdeckte Schiff durchs Eis
Das Wrack liegt laut Regierungspräsidium in einer seichten Bucht. Ein Anrainer hatte es im Winter 2006 beim Schlittschuhlaufen durch das Eis hindurch gesehen und die Experten informiert.

Deren Angaben zufolge handelt es sich um einen mittelalterlichen Schiffstyp, auffällig seien die aus dem Seeboden herausragenden Spanten des neun Meter langen Schiffsskeletts.
Schiffswrack Bodensee (Bild: Regierungspräsidium Stuttgart)
Typisch für mittelalterliche Schiffsbautechnik
Der schlanke, kastenförmige Rumpf mit flachem Boden, weit aufragendem Bug und breitem Heck sei bezeichnend für die mittelalterliche Schiffsbautechnik. Alle noch vorhandenen konstruktiven Verbindungen zwischen den Holzbauteilen seien aus Holz und ohne Zuhilfenahme von Eisen hergestellt. Allerdings seien exponierte Bauteile abgerissen.

Von den zahlreichen aus Holz gebauten Lastsegelschiffen des Mittelalters und der frühen Neuzeit habe an Land kein einziges bis heute überdauert, so das Regierungspräsidium. Die wenigen verbliebenen Schiffswracks und Pfahlsetzungen alter Wasserbauten am Seegrund seien daher "archäologische Unterwasserdenkmale von besonderer technik- und landesgeschichtlicher Bedeutung".
Schiffswrack Bodensee (Bild: Regierungspräsidium Stuttgart)
Aufschwung der Schifffahrt im Mittelalter
Nach Angaben der Experten erlebte die Schifffahrt im Mittelalter einen Aufschwung: Seit dem Frühmittelalter habe die Bedeutung der Bodenseeschifffahrt für Handel und Verkehr zugenommen.

Gerade die Mönche von der Insel Reichenau hätten mit der Schifffahrt handfeste wirtschaftliche Interessen verbunden: "Sie nutzten den See für Fischfang und als Transportweg für den Güteraustausch mit den umliegenden Klosterhöfen." Bis zum Bau der Eisenbahn um den Bodensee sei die Fahrt über das Wasser die schnellste Verkehrsverbindung gewesen.
Archäologen rechnen mit weiteren Funden
Die Archäologen rechnen damit, dass rund um die ehemalige Klosterinsel Reichenau, die ihre Blüte im Frühmittelalter erlebte und zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, weitere bedeutende archäologische Funde im Wasser liegen.
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