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MI | 11.04.2012
Pille danach (Bild: ORF)
POLITIK
Landesrat gegen rezeptfreie "Pille danach"
Gesundheitslandesrat Markus Wallner (ÖVP) erneuert seine Kritik am Vorstoß von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ), die "Pille danach" rezeptfrei zu machen. Die FPÖ schließt sich der Kritik an, Grüne und SPÖ sind für eine Rezeptfreiheit.
"Ärztliche Begleitung muss bleiben"
Stögers Ansatz sei, so Wallner, ein sehr sorgloser Umgang mit der Thematik. Eine ärztliche Begleitung müsse weiterhin bestehen, um mögliche Risiken abzuklären. Auch dem Prinzip des Lebensschutzes werde mit dieser geplanten Verordnung in keiner Weise Rechnung getragen.

Wallner fordert in diesem Zusammenhang die Schaffung einer Abtreibungsstatistik, um mehr Klarheit zu bekommen. Dies werde aber von Stöger verweigert, sagt Wallner.

Ähnlich wie Wallner sieht das auch FPÖ-Klubobmann Dieter Egger. Für ihn ist die Rezeptbefreiung das falsche gesellschaftspolitische Signal.
Bis zu 72 Stunden danach
Die "Pille danach" verhindert eine Schwangerschaft, wenn sie bis zu 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen wird.
Grüne für Rezeptfreiheit
Grün und Rot befürworten dagegen Stögers Vorstoß. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Katharina Wiesflecker ärgert sich nach wie vor darüber, dass die Debatten zur "Pille danach" und zu "Schwangerschaftsabbrüchen" immer vermischt werden.

Bei der "Pille danach" handle es sich nicht um die Abtreibungspille Mifegyne. Das diskutierte Präparat der "Pille danach" werde in mehreren Ländern seit vielen Jahren rezeptfrei abgegeben, sagt Wiesflecker.
"Keine Rezeptpflicht in anderen EU-Staaten"
SPÖ-Gesundheitssprecherin Gabi Sprickler-Falschlunger erkärte, die "Pille danach" wirke wie die Kupferspirale - besonders früher ein häufiges Verhütungsmittel. Stögers Alleingang sei vernünftig und mutig. Zudem hätten bereits zahlreiche europäische Staaten die Rezeptpflicht aufgehoben.
Wallner spricht sich für Ärzte-GmbHs aus
Im Rahmen der Konferenz der Landesgesundheitsreferenten in Eisenstadt hat sich Wallner für die Schaffung von Ärzte-GmbHs ausgesprochen.

"Ärzte-GmbHs können einen maßgeblichen Beitrag zur Entlastung der Spitalambulanzen leisten," so Wallner, "vorausgesetzt sie bieten erweiterte Öffnungszeiten an Tagesrandzeiten an."

Die Landesgesundheitsreferenten forderten Gesundheitsminister Alois Stöger auf, dafür Sorge zu tragen, dass Ärzte-GmbHs in eine Bedarfsprüfung und –planung auf Länderebene mit eingebunden werden.

In Vorarlberg liege die Frequenz der Spitalsambulanzen bei rund 448.000 Patienten pro Jahr. "Rein statistisch geht mindestens jeder Vorarlberger einmal durch die Spitalsambulanz", die Tendenz sei stark steigend, erläuterte Wallner.
Ärzte-GmbH
Eine Ärzte-GmbH ist eine neue Organisationsform im niedergelassenen ärztlichen Bereich. Sie erleichtert die Zusammenarbeit mehrerer Ärzte in einer Praxis.

Sie ist eine Ärztegemeinschaft in Form einer GmbH, die gegenüber den bisherigen Organisationsformen (wie beispielsweise Gruppenpraxen) Vorteile insbesondere im Bereich der Haftungsregelung für die beteiligten Ärzte bietet.
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