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MO | 13.02.2012
Kloster Mehrerau (Bild: ORF)
Kloster Mehrerau
KIRCHE
Mehrerau von Missbrauchsfällen betroffen
Auch das Internat Kloster Mehrerau ist von Missbrauchsfällen betroffen. Wie die "Vorarlberger Nachrichten" berichten, spricht Abt Anselm van der Linde von einem Fall sexuellen Missbrauchs in den 80er Jahren sowie von einem Fall im Jahr 2001.
Laut Abt Anselm arbeitet der ehemalige Mehrerauer Pater heute als Priester in Tirol.
Schüler im Internat missbraucht
In den 80er Jahren sei ein Schüler des Internats von einem Pater sexuell missbraucht worden, sagte Abt Anselm van der Linde im Gespräch mit den "Vorarlberger Nachrichten". Der Pater habe die Tat gestanden.

Die Eltern des Schülers seien zum damaligen Abt des Klosters, Kassian Lauterer, gekommen. Sie hätten aber auf eine Anzeige verzichtet - unter der Bedingung, dass Mehrerau den Pater sofort von der Schule abziehe.

Das sei geschehen, der Pater sei nach Tirol versetzt worden, so Abt Anselm. Mehrerau habe den Tiroler Bischof informiert, der Pater habe sich einer Therapie unterzogen. Laut Abt Anselm arbeitet der Mann heute noch als Priester in Tirol.
Bischof verweist auf die Ombudsstelle
Bischof Elmar Fischer (Bild: ORF)Vorarlbergs Bischof Elmar Fischer verspricht einen sorgfältigen Umgang mit dem Thema. Ihm seien keine weiteren Fälle bekannt.

Der Bischof verweist auch auf die Ombudsstelle der Diözese Feldkirch:

"Es gibt unsere Ombudsstelle schon seit einigen Jahren und wir haben uns immer bemüht, mit den Opfern korrekt umzugehen. Wir haben uns immer bemüht eine Therapie zu ermöglichen und auf diese Art und Weise den Opfern so gut das möglich ist zu helfen. Das war bisher die Vorgangsweise, sie wird jetzt überarbeitet und soll, so gut es geht, noch sorgfältiger werden. Ich denke aber, es ist schon bisher ziemlich viel geschehen", sagte Bischof Elmar Fischer gegenüber Radio Vorarlberg.
Gegenwärtig laufe gegen den ehemaligen Mehrerauer Pater das Laisierungsverfahren, so Abt Anselm.
Mehrerauer Pater nach Missbrauch verurteilt
Laut Abt Anselm gab es einen weiteren Missbrauchsfall im Jahr 2001 durch einen Mehrerauer Pater, der aber nicht im Internat in Bregenz stattgefunden habe. Der Pater hat den Angaben zufolge in Innsbruck studiert und dort ohne Erlaubnis des Abtes Nachhilfe erteilt. Er habe einen Buben aus dem Drogenmilieu geholt und ihn später missbraucht.

Abt Kassian Lauterer habe den Pater sofort suspendiert, dieser sei gerichtlich verurteilt worden, so Abt Anselm. Allerdings lehne der Mann bis heute eine Therapie ab. Gegenwärtig laufe gegen ihn das Laisierungsverfahren, also das Verfahren zur Aberkennung der priesterlichen Rechte und Pflichten.
Internatsleiter: Seit den 80er Jahren gelte klar: Wer schlägt, der geht.
Gewaltsame Erziehungsmethoden
Auch habe es in der Vergangenheit im Internat heute undenkbare Erziehungsmethoden gegeben, sagte Abt Anselm. Dieser Sache müsse man sich stellen.

Der Leiter des Internats, Pater Dominikus Matt, sagte im "VN"-Gespräch, er könne aus seiner Zeit als Schüler in Mehrerau einzelne Übergriffe im Sinne einer gewaltsamen Erziehung bestätigen. Das sei allerdings lange her. Seit den 80er Jahren gelte klar: Wer schlägt, der geht.
"Verkrampfter" Umgang mit Sexualität
Nach dem Umgang der katholischen Kirche mit der Sexualität befragt, sagte der Abt, dass die Kirche "nicht länger so verkrampft" mit diesem Thema umgehen dürfe. Die Kirche müsse die Sexualität offener und menschenwürdiger behandeln.
Verhaltenskodex und Ombudsstelle einführen
In der Mehrerau möchte der Abt einen Verhaltenskodex für Lehrer und Schüler einführen. Es müssten klare Regeln geschaffen werden, damit Schüler lernen, wann eine Grenze überschritten wird. Weiters werde man eine unabhängige Stelle einrichten, bei der sich Schüler anvertrauen können.
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