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MI | 11.04.2012
Passagierin (Bild: APA/Barbara Gindl)
KULTUR
Bewegende Premiere von "Die Passagierin"
Mieczyslaw Weinbergs Oper "Die Passagierin" hat am Mittwoch im Festspielhaus Premiere gefeiert. Das Publikum zeigte sich ergriffen, vor allem als die Schöpferin der Romanvorlage, die Auschwitz-Überlebende Zofia Posmysz, die Bühne betrat.
Szenische Erstaufführung
Unter dem Titel "Die Passagierin" schrieb die 1923 in Polen geborene Zofia Posmysz einen Roman auf Grundlage ihrer Erlebnisse im Konzentrationslager Auschwitz. Basierend auf dem Roman komponierte Mieczyslaw Weinbergs die gleichnamige Oper, die 1968 vollendet und erst 2006 in konzertanter Form uraufgeführt wurde. Sein Werk durfte in der Sowjetunion nie gespielt werden.

Weinberg verlor selbst seine Eltern und seine Schwester im Zweiten Weltkrieg und wurde während der antisemitischen Progrome unter Stalin festgenommen. Sein Schicksal und das seiner Familie hätten ihn in seinem Schaffen entscheidend beeinflusst, so der Komponist.

Im Mittelpunkt der Oper "Die Passagierin" steht die Begegnung der ehemaligen SS-Aufseherin Lisa mit der KZ-Gefangenen Martha. In Bregenz findet dieses Jahr die szenische Erstaufführung der Oper statt.
Die Passagierin (Bild: Dietmar Mathis)
Zofia Posmysz auf der Bühne

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Die heute 87-jährige Zofia Posmysz, auf deren Roman die Oper basiert, hat zweieinhalb Jahre in den KZs Auschwitz-Birkenau und Ravensbrück überlebt.

Sie war bei der Premiere anwesend. ORF-Redakteurin Angelika Schwarz hat vor der Premiere mit ihr gesprochen.
Standing Ovations nach der Aufführung
Die Premiere von "Die Passagierin" war am Mittwochabend ausverkauft.

Der Inhalt der Oper versprach keinen leichten Operngenuss an diesem Abend. Beim langsam einsetzenden, dann aber tosenden Schlussapplaus zeigte sich, dass das Publikum im Festspielhaus von der Oper ergriffen war.

Als die Autorin Zofia Posmysz auf die Bühne trat, währten die Standing Ovations sogar einige Minuten.

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Video: Schlussapplaus
Passagierin (Bild: APA/Barbara Gindl) Inhalt der Oper
Die Passagierin spielt in den frühen 1960er Jahren auf einem Ozeanschiff, das Richtung Brasilien unterwegs ist. Lisa (Michelle Breedt), die Frau eines deutschen Diplomaten, erkennt in einer Passagierin zu ihrem großen Schrecken eine Frau, die sie eigentlich für tot hielt: die ehemalige Auschwitz-Gefangene Martha (Elena Kelessidi). Angesichts dieser schockierenden Begegnung offenbart sie ihrem Ehemann, dass sie einst SS-Aufseherin in Auschwitz war.

Von nun an wechselt der Schauplatz der Oper zwi­schen dem Schiff und dem Konzen­trationslager Auschwitz hin und her: Während Lisa versucht, die Erinnerung an ihre zwiespältige Beziehung zu der Lagergefangenen Martha zu be­wältigen, kämpft ihr Mann mit der Ent­hül­lung einer Vergangenheit, die ihm seine Frau in einem völlig neuen Licht zeigt.

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Video: Szenen aus der Oper
David Pountney inszeniert
Die Hausoper wurde von Intendant David Pountney inszeniert.

Auch die anderen Mitglieder des Regieteams für "Die Passagierin" haben ihr Können schon in Bregenz unter Be­weis gestellt: Gemeinsam mit Bühnenbildner Johan Engels und Marie-Jeanne Lecca, die für die Kostüme verantwortlich zeichnet, hat Pountney im Sommer 2005 bereits Carl Nielsens Oper Maskerade inszeniert.
Passagierin (Bild: APA/Barbara Gindl)
Die Hauptrollen
Die Rolle der polnischen Gefangenen Martha sang die Griechin Elena Kelessidi. Michelle Breedt aus Südafrika sang die Lisa, Roberto Saccà die Rolle ihres Mannes Walter. In der Rolle von Marthas Verlobtem war Artur Rucinski zu hören.

Es spielten die Wiener Symphoniker mit Teodor Currentzis als Dirigenten. Der Prager Philharmonische Chor sang unter der Leitung von Lukáš Vasilek. Für das Licht zeichnete Fabrice Kebour verantwortlich.
Die Passagierin (Bild: Dietmar Mathis) Ein Leben zwischen Licht und Nacht
Im hellen Licht steht auf der Bühne das Schiff, auf dem die schicksalshafte Begegnung zwischen Martha und ihrer KZ-Aufseherin stattfindet. Es schwebt den ganzen Abend über der Szenerie, während unter dem Schiff im Dunklen die Hölle von Ausschwitz dargestellt ist.
Mieczyslaw Weinberg
Mieczyslaw Weinberg wurde 1919 als Sohn jüdischer Eltern in Warschau geboren. Er konnte 1939 vor den Nazis aus Warschau nach Minsk fliehen, seine Eltern und seine Schwester wurden getötet. 1943 ging Weinberg nach Moskau, wo er später als Komponist und Pianist tätig war und zu einem sehr engen Freund Dmitri Schostakowitschs wurde.

Er starb 1996 in Moskau und gilt als der eigenständigste und bedeutendste aller Schostakowitsch-Nachfolger.

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Video: Beitrag von ORF-Redakteur Markus Greussing über "Die Passagierin"
Weitere Aufführungen
26. Juli – 19.30 Uhr
28. Juli - 19.30 Uhr
31. Juli - 11.00 Uhr
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