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MI | 11.04.2012
Akten (Bild: ORF)
JUSTIZ
Psychiater Haller zuversichtlich für Berufung
Gerichtspsychiater Reinhard Haller zeigt sich im ORF-Interview zuversichtlich, in zweiter Instanz gegen ein Urteil des Landesgerichts Innsbruck Recht zu erhalten. Laut dem Urteil darf eines seiner Gutachten als "Kunstfehler" bezeichnet werden.
Widerruf der Behauptung wurde abgewiesen
Haller erstellte für einen Langzeithäftling eine Gefährlichkeitsprognose, auf deren Basis dessen bedingte Entlassung abgelehnt wurde. Der klinische Psychologe und zertifizierte Sachverständige Klaus Burtscher bezeichnete Hallers Gutachten darauf im Juli 2009 als "Kunstfehler". Haller klagte Burtscher auf Unterlassung und Widerruf seiner Behauptung.

In erster Instanz wurden Hallers Anträge nun vom Landesgericht Innsbruck abgewiesen. Dem Urteil zufolge darf behauptet werden, beim Gutachten Hallers handle es sich um einen "Kunstfehler".
"Prozess kratzt an meinem Ruf"
Haller ist seit 27 Jahren Chefarzt des Krankenhauses Maria Ebene in Frastanz. Nach eigenen Angaben hat er über 10.000 Gutachten erstellt und über 400 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht.

Der verlorene Prozess kratze an seinem Ruf, sagte Haller am Freitagvormittag im Radio-Vorarlberg-Interview. Es sei überhaupt ein Fehler gewesen, den Prozess anzustrengen. "Gerade in Pressesachen" sei es häufig so, dass man in der ersten Instanz "Probleme habe", weil es hier nur auf die subjektive Wertung des Richters ankomme.
"Tests werden maßlos überschätzt",
"Ich bin fachlich absolut zuversichtlich, dass man in der zweiten Instanz überzeugen kann. Juristisch gibt es nach Auskunft meiner Anwälte genügend Anhaltspunkte, um dieses Urteil richtig stellen zu lassen", so Haller.

"Ich finde es sehr problematisch, wenn man ärztliche Expertisen, die nach allen Regeln der geltenden Kunst erstellt worden sind, als Kunstfehler bezeichnen darf", sagt Haller. Forensische Psychiater würden gerne diese älteren, fälschungssicheren Verfahren verwenden. Diese Verfahren seien aber keinesfalls veraltet.

"Tests werden maßlos überschätzt", so Haller. Mit Tests könne man nie die gutachterlich relevanten Fragen beantworten.
Audio
ORF-Vorarlberg-Redakteurin Tarja Prüss führte das Interview mit Reinhard Haller.

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Vorwurf: Nicht gemachten Test verrechnet
Sachverständiger Klaus Burtscher wirft Haller vor, dass sich dieser nicht an die Richtlinien des Gesundheitsministeriums halte. Es gebe klare Vorgaben, wie zu diagnostizieren sei. Haller scheine sich daran nicht gebunden zu fühlen.

Außerdem habe Haller einen Test abgerechnet, den er in Wahrheit nicht durchgeführt habe, so der Vorwurf von Burtscher.
Überprüfung aller Gutachten?
Helmut Schott, Anwalt des Langzeithäftlings, sagt im Radio-Vorarlberg-Interview: "Wenn Dr. Haller selbst einräumt, dass alle seine Gutachten unrichtig wären, wenn man diese projektiven Tests nicht so anwenden würde, dann hat es schon die Tragweite, dass man überlegen muss, dass alle diese Gutachten überprüft werden. Da haken wir ein."

Nach Angaben von Schott laufen derzeit fünf Klagen gegen Haller am Landesgericht Feldkirch. Darunter sei eine Schadenersatzklage des betroffenen Häftlings über 150.000 Euro.

Strafrechtliche Verfahren sind am Landesgericht Feldkirch nach Auskunft der Staatsanwaltschaft gegen Haller nicht anhängig.
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