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MI | 11.04.2012
Erwin Kraeutler (Bild: APA/SCANPIX SWEDEN/HENRIK MONTGOMERY)
SOZIALES
Alternativer Nobelpreis für Bischof Kräutler
Der aus Koblach stammende Bischof Erwin Kräutler hat am Montag einen der diesjährigen Alternativen Nobelpreise erhalten. Kräutler wurde für sein Engagement für indigene Völker und Umwelt im Amazonas-Gebiet ausgezeichnet.
Ehrung für Engagement für indigene Völker
Der seit Jahrzehnten in Brasilien tätige Bischof Kräutler ist einer der vier diesjährigen Preisträger des Alternativen Nobelpreises 2010 ("Right Livelihood Award"). Kräutler, der in der brasilianischen Diözese Xingu wirkt, wurde für seinen lebenslangen Einsatz für die Rechte der indigenen Völker und für sein Engagement für den Schutz des Amazonasurwaldes geehrt.

In seiner Rede anlässlich der Überreichung im Schwedischen Reichstag in Stockholm zog der 71-jährige Preisträger ein Resümee über seinen mittlerweile 45 Jahre dauernden Kampf gegen die ökologische und soziale Zerstörung des Amazonas-Gebietes.
Kräutler: Die Zerstörung des Amazonasgebiets ist "die wahre Apokalypse"
Kräutler schilderte die Bedrohung des Amazonas durch verschiedene Energie- und Industrieprojekte dabei in dramatischen Worten: Die Bewohner seiner Diözese, insbesondere die indigene Bevölkerung, "wissen sehr genau, dass sie nicht überleben werden, wenn Amazonien weiterhin verachtet und vernichtet wird. Und sie wissen, dass dem Planeten Erde durch diese Zerstörung unumkehrbare Folgen entstehen werden. Dies wird die wahre Apokalypse sein."

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Video von der Verleihung
Preis "im Namen der Mitstreiter" angenommen
Der Bischof sagte, er nehme den Preis im Namen all seiner Mitstreiter und der einheimischen Bevölkerung in Amazonien entgegen. Er erinnerte außerdem an jene "Dutzenden Menschen, die ihr Leben hingegeben haben, deren Blut vergossen wurde, die brutal ermordet wurden, weil sie sich der systematischen Zerstörung Amazoniens widersetzt haben".
Preisgeld für Sozialprojekte
Der "Right Livelihood Award" wird seit 1980 vergeben. Er ist heuer mit 200.000 Euro dotiert.

Bischof Kräutler wird die 50.000 Euro für die Sozialprojekte in seiner Diözese verwenden. Diese werden ausschließlich aus Spendengeldern finanziert. Der Aufwand für die Sozialprojekte beträgt bis zu 80.000 Euro im Monat.
"Bischof Erwin Kräutler ist ein Leuchtturm"
Right-Livelihood-Gründer Jakob von Uexküll sagte in seiner Würdigung der diesjährigen Preisträger zu Kräutler, dieser habe sich in seinem Kampf für die Gewährung von vollen Verfassungsrechten für indigene Bevölkerungsgruppen, seinen Aktionen gegen Kindesmissbrauch sowie durch die Mobilisierung von Widerstand gegen den Belo-Monte-Staudamm mächtigen Interessen widersetzt und dabei oftmals persönlichen Gefahren ausgesetzt. "Bischof Erwin Kräutler ist ein Leuchtturm - nicht nur in seiner Diözese, sondern international."
Kraeutler (Bild: ORF)
Die Pressekonferenz in Stockholm heute Vormittag.
Bischof Kraeutler (Bild: APA/ Scanpix Sweden/ Glow) Kräutler steht unter ständigem Polizeischutz
Unter anderem führte Kräutlers Arbeit dazu, dass die Grundrechte dieser Völker in die brasilianische Verfassung aufgenommen wurden. In jüngster Zeit hat er insbesondere durch seinen scharfen Protest gegen das Mega-Staudammprojekt "Belo Monte" am Xingu-Fluss auf sich aufmerksam gemacht

Sein konsequenter Einsatz für die Ärmsten der Armen hat Kräutler aber auch mehrfach in Lebensgefahr gebracht. Nach der Ermordung mehrerer Mitarbeiter steht er deshalb seit drei Jahren unter permanentem Polizeischutz.

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Video: Interview von TW1-Chefredakteur Christoph Takacs mit Bischof Kräutler
Der Preis wurde in der schwedischen Hauptstadt Stockholm verliehen
Der alternative Nobelpreis
Neben Bischof Kräutler wurden heuer auch der nigerianische Umweltschützer Nnimmo Bassey, die Selbsthilfeorganisation Sappros Nepal und ihr Vorsitzender Shrikrishna Upadhyay sowie die Organisation "Physicians for Human Rights-Israel" (Mediziner für Menschenrechte/Israel) ausgezeichnet.

Der von dem deutsch-schwedischen Journalisten Jakob Carl von Uexküll begründete Preis wurde bisher an rund 140 Personen aus fast 60 Ländern verliehen, die beispielhaft auf die dringlichsten Herausforderungen der Menschheit antworten. Er ist mit umgerechnet rund 220.000 Euro dotiert und wird seit 1980 verliehen.
Erwin Kraeutler (Bild: APA/ Techt) Lebenslauf: Bischofsweihe im Jahr 1981
Erwin Kräutler wurde am 12. Juli 1939 in Koblach geboren. Er studierte in Salzburg Theologie und Philosophie und wurde am 3. Juli 1965 zum Priester geweiht. Noch im selben Jahr ging er als Missionar ins brasilianische Amazonasgebiet. Am 7. November 1980 wurde Kräutler von Papst Johannes Paul II. zum Bischof-Koadjutor für die Prälatur Xingu ernannt, deren Bischof damals sein Onkel Erich Kräutler war.

Am 25. Jänner 1981 wurde Kräutler zum Bischof geweiht, am 2. September 1981 trat er die Nachfolge seines Onkels an. Die Prälatur Xingu ist mit 350.000 Quadratkilometern und 400.000 Einwohnern die flächenmäßig größte Diözese Brasiliens.
Erwin Kraeutler (Bild: Nikolai Doerler)
Erwin Kraeutler (Bild: Nikolai Doerler) 1987 bei Anschlag schwer verletzt
In Brasilien setzt sich Bischof Kräutler für die Menschen und die Umwelt ein. Er verteidigt die Rechte der Indios und Landarbeiter seiner Diözese gegen die großen agrarindustriellen Konzerne. Am 16. Oktober 1987 wurde Kräutler bei einem Anschlag schwer verletzt. Ein Kleinlastwagen rammte frontal sein Auto.

Seit 2006 befindet sich der Bischof unter permanentem Polizeischutz. Immer wieder erhält er Morddrohungen, zuletzt wegen seines Einsatzes gegen den Bau des Wasserkraftwerks Belo Monte. Kräutler unternahm auch rechtliche Schritte gegen eine kriminelle Gruppe, die in den sexuellen Missbrauch von Kindern verwickelt sein soll.
Erwin Kraeutler (Bild: HP Glanzer)
Im März des Vorjahres erhielt Bischof Kräutler das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.
Erwin Kraeutler (Bild: D. Mathis) Ehrenbürgerschaft der Heimatgemeinde
Im Oktober des heurigen Jahres wurde Bischof Kräutler die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde Koblach verliehen. "Es gibt keine Ehrung, die so tief ins Herz geht, wie die, die ich jetzt bekommen habe", sagte Bischof Erwin in seiner Rede.

Es verbinde ihn sehr viel mit seiner Heimatgemeinde Koblach und er sei heute noch ein Koblacher und stolz darauf.
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