Vorarlberg ORF.at
MI | 11.04.2012
Erwin Kraeutler (Bild: APA/SCANPIX SWEDEN/JESSICA GOW)
UMWELT
Staudamm-Projekt: Bischof Kräutler in Sorge
Die brasilianische Umweltbehörde hat mit einer Teilgenehmigung für das Staudammprojekt Belo Monte den Baubeginn ermöglicht. Bischof Erwin Kräutler, ein Gegner des Projekts, sieht eine Chance, wenn sich die Staatsanwaltschaft einschaltet.
Belo Monte (Bild: APA/ Hirsch) Rodung von rund 240 Hektar Wald
Die Teilgenehmigung erlaubt dem Baukonsortium die Rodung von rund 240 Hektar Wald am geplanten Standort des Wasserkraftwerkes am Fluss Xingu im Amazonas-Regenwald. Zudem können Straßen dorthin gebaut werden.

Das 11.000-Megawatt-Projekt stößt bei Ureinwohnern und Umweltschützern auf Widerstand. Dazu zählt auch der aus Vorarlberg stammende Bischof Erwin Kräutler, seit 1981 Bischof der Prälatur Xingu. Wegen seines Einsatzes gegen den Bau hat er bereits mehrfach Morddrohungen erhalten, er steht unter Polizeischutz.
"Folgen für die ganze Welt"
Das Wahnsinnsprojekt sei ein Dolchstoß ins Herz von Amazonien, so Kräutler. Es gehe nicht nur um Belo Monte, es gehe um die Umgebung und den Domino-Effekt. Wenn Belo Monte durchgeführt werde, würden drei weitere Dämme am Xingu in Frage kommen. Insgesamt seien im gesamten Amazonas-Gebiet über 100 derartige Projekte vorgesehen, samt sei Amazonien am Ende. Das habe Folgen für die ganze Welt.

Die Teilgenehmigung für das Staudammprojekt sieht Kräutler mit großer Sorge. Wenn sich die Staatsanwaltschaft einschalte, gebe es noch eine Chance. Allerdings bleibe die Angst im Nacken, dass sich die Regierung in Brasilien über die Einwände hinwegsetzt.
Das Projekt Belo Monte
Mit einer Leistung von 11.000 Megawatt soll das umstrittene Staudamm-Projekt Belo Monte im brasilianischen Amazonas-Becken der drittgrößte Staudamm der Welt werden.

Umweltschützer verweisen darauf, dass amtlichen Angaben zufolge eine Fläche von 500 Quadratkilometern geflutet werden wird und 16.000 Menschen umgesiedelt werden müssen. Die brasilianische Regierung beteuert, Ländereien von Ureinwohnern seien nicht bedroht. Außerdem seien Millionen ausgegeben worden, um mögliche Folgen im sozialen und Umweltbereich abzufedern.

Das brasilianische Umweltinstitut (Ibama) genehmigte am Mittwoch (Ortszeit) die Rodung von 238 Hektar Wald für das Wasserkraftwerk am Xingu, einem Zufluss des Amazonas im nördlichen Bundesstaat Para. Die Behörde erlaubte dem mit dem Bau betrauten Konsortium Norte Energia außerdem, Zugangsstraßen zu bauen, Areale für die Lagerung von Asphalt und Holz anzulegen, sowie Einebnungsarbeiten vorzunehmen.

Die Baukosten des Projekts werden auf elf Milliarden Dollar (8,7 Milliarden Euro) veranschlagt. In Spitzenzeiten soll Belo Monte über 11.200 Megawatt Strom produzieren. Dies wäre aber wegen unterschiedlicher Wasserstände nur einige Monate im Jahr der Fall.

Die Fertigstellung ist für 2015 geplant. Bis dahin müssen aber noch mehrere rechtliche Hürden überwunden werden.
Ganz Österreich
Vorarlberg News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News