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MI | 11.04.2012
Strommast (Bild: fotolia/ Bagutat)
MONTAFON
Experten: Kein höheres Krebsrisiko durch Strom
In Gaschurn gibt es keine erhöhte Sterblichkeit aufgrund der dort verlaufenden Hochspannungsleitungen: Zu diesem Ergebnis ist eine vom Land einberufene Expertenrunde gekommen.
Uni-Experte zu Studienergebnissen
Am Montag wurden die Ergebnisse der Expertenrunde im Landhaus vorgestellt. Zum Ergebnis sagt Willi Oberaigner von der Universität Innsbruck, es gebe in Gaschurn weder insgesamt noch entlang der Stromleitung mehr Krebsfälle als nach dem Vorarlberger Durchschnitt zu erwarten wäre, sowohl was die Neuerkrankungen als auch was Krebstodesfälle betreffe.

Auch bei den Todesfällen insgesamt habe man keine Auffälligkeit festgestellt.

Zum Zusammenhang zwischen Starkstrom und Krebs an sich, also unabhängig von Gaschurn, sagt Oberaigner, es gebe viele wissenschaftliche Publikationen, allerdings keine, die einen solchen Zusammenhang nachweise. Einzige Ausnahme sei Kinderleukämie: Dzu gebe es Ergebnisse, die dafür, und solche, die dagegen sprechen.
Bürgermeister sieht Ergebnis prinzipiell positiv
Der Gaschurner Bürgermeister Martin Netzer sieht das Ergebnis grundsätzlich positiv. Die objektiven Daten lägen nun vor, man nehme sie so zur Kenntnis. Man werde an dem Thema dranbleiben, derzeit schaue es aber positiv aus für die Gemeinde. Er hoffe, man habe die Ängste der Menschen relativieren können.
Befürchtungen in Gaschurn
In Gaschurn fürchten viele Bewohner, dass sie ein höheres Risiko haben, an Krebs zu erkranken. Der Grund: Sie leben sehr nahe an Starkstromspannungen.

Nach Angaben der Grünen sind sechs Personen innerhalb von eineinhalb Jahren - und das auf einer Strecke von 300 Metern. Sie alle lebten in der Nähe von Starkstromleitungen. Bewohner des Innermontafons verlangten, es müsse untersucht werden, an was diese Häufung von Krebserkrankungen liegt.
Experten untersuchten Situation
Nun haben Mediziner des Instituts für klinische Epidemiologie an der Universität Innsbruck den Fall untersucht. Die Frage war, ob in Gaschurn Menschen häufiger an Krebs erkranken als anderswo in Vorarlberg.

Die Runde setzte sich vor allem aus Medizinern zusammen, inbesondere vom Institut für klinische Epidemiologie an der Universität Innsbruck. Unterstützt wurden sie von Mitarbeitern des Arbeitskreises für Vorsorge und Sozialmedizin sowie des Krebsregisters.
Experten von Uni Innsbruck
Die Angst vor einer Krebserkrankung ist in Gaschurn besonders groß, und unter dieser Voraussetzung kommt den Fachleuten beim Erstellen der Studie eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe zu.

Klar ist, dass im untersuchten Gebiet im Montafon sehr viele Starkstrommasten in der Nähe von Wohnungen aufgestellt sind. Bislang hieß es aber, dass die bisherigen Ergebnisse eher keinen Zusammenhang mit den Krebserkrankungen vermuten lassen - jedenfalls keinen wissenschaftlich nachweisbaren.
Weitere Studien zum Thema
Andere Expertenmeinungen zum Thema unterscheiden sich stark: Die bekannteste Studie des Krebsforschungsinstitutes der Universität Bristol hat eine erhöhte Krebsgefährdung von Personen, die in der Nähe von Starkstromleitungen leben, festgestellt.

Eine weitere Studie aus Oxford bewies einen direkten Zusammenhang zwischen den Leitungen und Leukämieerkrankungen bei Kindern. Auch die Weltgesundheitsorganisation sah Zusammenhänge.

Bei der Beratungsstelle für Baubiologie in Feldkirch heißt es dagegen, die Aussagen seien dermaßen widersprüchlich, dass gesicherte Angaben fast unmöglich seien.
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