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MI | 21.03 | 17:47
14. Jänner 2007 Univ.-Prof. DDr. Manfred Spitzer: Wie lernt das Gehirn?

Die Gehirnforschung hat in den letzten zwei Jahrzehnten deutliche Fortschritte gemacht. Die wichtigsten Konsequenzen für das Lernen werden in diesem Vortrag erklärt.

Das Gehirn ist nicht gebaut für das Lernen von Einzelheiten, sondern um die Regeln hinter den Einzelheiten zu lernen. Das gilt für das Laufen lernen des Babys ebenso wie für das Bruchrechnen oder das Versenden von SMS. Prof. Spitzer: "Das Gehirn lernt immer, aber nicht unbedingt das, was der Lehrer will ... Es liegt deshalb an uns, darauf zu achten, dass Kinder den richtigen Input bekommen." Falscher und höchst bedenklicher Input sind die Gewalttaten im Fernsehen. Mit 18 haben Jugendliche im Schnitt 200.000 Gewalttaten gesehen.
Während das Erlernen von Regeln auf Wiederholungen und Üben angewiesen ist, gehen emotionale Lernprozesse ganz schnell. Bei Gefahr programmiert der Mandelkern den Körper für Flucht oder Kampf. Das war für das Überleben im Verlauf der Evolution entscheidend, heute ist es eine Ursache für die zahlreichen Angststörungen.

Das Glückszentrum im Gehirn wird aktiv, wenn unvorhergesehener Weise Dinge passieren, die besser sind als erwartet. Das Gehirn ist deshalb nicht gebaut zum Glücklichsein. Prof. Spitzer: "Wir haben das Glückssystem zum Lernen. Weil wir lernende Wesen sind, deswegen sind wir auch glückliche Wesen."

Bücher von Manfred Spitzer
- Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens (2006)
- Nervenkitzel. Neue Geschichten vom Gehirn (2006)
- Vom Sinn des Lebens. Wege statt Werke (erscheint 2007 bei Schattauer)
- Vorsicht Bildschirm! Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft (2006)
- Gott-Gen und Großmutterneuron. Geschichten von Gehirnforschung und Gesellschaft (2006)
- Das Gehirn. Eine Gebrauchsanweisung (erscheint 2007 bei Rowohlt)