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MI | 21.03 | 17:47
14. Juli 2007 Jedes Kind ist ein neues Wunder. Gedenksendung für Maria Summer

Am 2. Juli 2007 starb im Alter von 86 Jahren die Vorarlberger Heilpädagogin Maria Summer. 30 Jahre lang leitete sie die von ihr gegründete Sprachheilstätte Rankweil.
Maria Summer war die Vorarlberger Maria Montessori. Sie war überzeugt, dass Kinder Persönlichkeiten von absoluter Einmaligkeit sind. Für sie war jedes Kind etwas in seiner Art noch nie Dagewesenes: ein neues Wunder.

Mit einem Gleichnis von drei Samenkörnern, die ein unterschiedliches Entwicklungs- und Wachstumsprogramm haben, das aber vom Gärtner nicht erkannt wird, illustriert Maria Summer die Dramatik und Tragik, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, die Enttäuschung und Not und die daraus resultierende vergebliche Anstrengung und lebensgefährliche Resignation, die ein Kind erlebt, wenn sein Wesen, sein Entwicklungsprogramm, von Eltern, Lehrern und Erziehern nicht erkannt, nicht gefördert, nicht unterstützt wird.

Daraus folgert Maria Summer: „Wir dürfen und können nicht über sie (die Kinder) verfügen. Wir dürfen unser Gesetz nicht über sie stülpen. Wir dürfen sie nicht nach unseren Wünschen und äußeren Bedürfnissen zurechtbiegen. Wir müssen sie in ihrer Einmaligkeit annehmen und fördern.“

Maria Summer fragt: „Warum glauben wir so wenig an das noch nicht Registrierbare? Warum bemüht man sich bereits schon im Kindergartenalter, das innerlich geheimnisvoll Seiende, Werdende, Sich-Entfaltende mit äußerlich sichtbaren Strichen zu messen? Warum werden überhaupt Kinder beurteilt und verglichen nach der Gradheit oder Krummheit ihrer Striche? Warum spielt die Zeit so eine alles beherrschende Rolle? Warum gilt als besser, wer ein bisschen schneller ist?“

An die Eltern appelliert Maria Summer, vor allem das Vergleichen mit anderen Kindern zu unterlassen: „Sollte Ihr Kind etwa dem gleichaltrigen Nachbarkind in irgendeiner Leistung – scheinbar oder wirklich – nachhinken, dann bitte denken oder sprechen Sie nichts Nachteiliges, nichts Kränkendes, nichts Entmutigendes!“