Wien ORF.at Focus
TV-ProgrammTV-ThekRadioÖsterreichWetterSportIPTVNews
MI | 21.03 | 17:43
27. MÄRZ 2010 Symposium "Erziehung - ein gemeinsames Anliegen von Lehrpersonen und Eltern"

Lebendigkeit und Begeisterung
"Erziehung - ein gemeinsames Anliegen von Lehrpersonen und Eltern" war der Titel eines kürzlich an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg veranstalteten Symposiums.

Für Professor Hansjörg Neubert von der Freien Universität Berlin ist die Lebendigkeit, die Begeisterung für - alle - jeden Lehrenden und Erziehenden und jeden Schüler - wichtig. Ein behutsames und umsichtiges Agieren sei notwendig - es dürfe, um nachhaltig zu wirken, kein gegenseitiges Zuschieben von Verantwortung geben.

Professor Neubert stellt im Kontext von „Erziehen und Lehren“ folgende Fragen: Was muss ich wissen? , was muss ich können?,
was soll ich tun?

Prof. Neubert ortet trotz allen Fachwissens in der pädagogischen Wissenschaft eine wachsende pädagogische Unsicherheit, Unentschiedenheit, ja Ängstlichkeit, die sich breit mache.

Professor Neubert formuliert vier Punkte eines pädagogischen Ethos an der Schule: das Lehren, das sich über Personen vollzieht, die Leistungskultur, die Freundlichkeit und
die Sorge, um das schwieriger gewordene Leben der Schüler.
Lehrer und Eltern an der Seite des Kindes
Die psychologische Psychotherapeutin Rita Woll, Lehrbeauftragte am Institut für Heil- und Sonderpädagogik der Uni Gießen, sieht eine Chance für das Kind an der Schule bei den Eltern: Lehrer und Eltern müssen gemeinsam auf der Seite des Kindes stehen.

Sie überschreibt ihren Vortrag mit dem afrikanischen Sprichwort "Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen".

Rita Woll redet der positiven Sichtweise der Zusammenarbeit von Schule, Schülern und Elternhaus das Wort: Das Miteinander gelinge, wenn nicht nur gebannt auf Fehler des Kindes geschaut werde, sondern darauf, dass hinter den Fehlern oft zu erlernende Fähigkeiten des Kindes stecken, mahnt Rita Woll. Immer stärker schlage die schwierige soziale Realtität der Familien durch, sagt Rita Woll.
Erziehen
Dieses Ziehen im Begriff „erziehen“ umschreibt Professor Allan Guggenbühl von der Pädagogischen Hochschule des Kantons Zürich mit der Frage „Schule und Elternhaus: Gegner, Partner oder Fremde?“

Die Schulexperten sitzen zuhause, weil die Schule in die Biographie jedes/jeder Schulabsolventen/-in hineingreife, so Professor Guggenbühl.

Der Lehrer als halböffentliche Person unterliege einer genauen Beobachtung: Schule ist immer Thema und damit nicht selten im Blickpunkt öffentlichen Ärgernisses, sagt Allan Guggenbühl:
Schule sei komplizierter geworden: auch in ihrer Struktur: deshalb rät Professor Guggenbühl bei Krisen oder Problemen, den Problemfall direkt anzusprechen, nicht zu delegieren.
Literaturhinweise:
Rita Woll: Partner für das Kind. Erziehungspartnerschaften zwischen Eltern, Kindergarten und Schule. Vandenhoek & Ruprecht Göttingen 2008.

Hansjörg Neubert: Kompetenz und Ethos, Konturen einer reflexiven Lehrprofessionalisierung

Allan Guggenbühl: Kleine Machos in der Krise. Wie Eltern und Lehrer Jungen besser verstehen.
sowie
Die Pisa Falle, Schulen sind keine Lernfabriken