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MI | 21.03 | 17:43
3. APRIL 2010 Prof. Francois Höpflinger: "Großeltern und Enkelkinder"

Gedächtnis der Familie
"Großeltern und Enkelkinder: alte Bilder, neue Beziehungen" - darüber referierte der Schweizer Generationenforscher und Soziologe Univ.Prof.Dr. Francois Höpflinger im Rahmen der Vortrags-Reihe "wertvolle Kinder" im Vorarlberger Kinderdorf.

Das Bild der Großeltern aus der Sicht der Enkelkinder ist sehr positiv im Vergleich zu den 1930-er Jahren: Damals galt, Großeltern verwöhnten die Kinder und sie seien altmodisch.
Heutzutage beurteile die Mehrheit der Enkel ihre Großeltern positiv: sie seien dynamisch, innovativ, gastfreundlich und großzügig und Großeltern seien in Familien oft die einzigen, die Zeit für die Jungen hätten, sagt der Schweizer Generationenforscher F. Höpflinger.

70 Prozent der über 65-jährigen haben Enkel und in nur 1,5 Prozent der Vorarlberger Haushalte leben drei Generationen unter einem Dach. Die stark häusliche Trennung der Generationen erleichtere das gegenseitige Verständnis, sagt der Soziologe Francois Höpflinger auf Grund der Ergebnisse einer großangelegten Schweizer Studie zum Thema inter-generationelle Beziehungen.

Großeltern gelten als das Gedächtnis der Familie. Sie erklären ihren Enkelkindern die Wurzeln ihrer Herkunft, sie vermitteln ihnen oft auch moralische und religiöse Werte. Großeltern sind auch Informanten für Enkel etwa über deren Eltern: die ihnen manche Schulnote oder "Jugend-Flause" verschwiegen haben.
Vermittlung von Konstanz
Gleichzeitig bekämen Enkelkinder auch Einblick ins Älterwerden und schließlich im Fall des Todes ins Abschiednehmen: das sei ein wichtiges Thema für die nachwachsenden Generationen, so Univ. Prof.Höpflinger.

Interessant ist, dass die Älteren und die Jungen wesentlich nationalistischer eingestellt seien, als die mittlere Generation, stellt Professor Höpflinger fest. Für die Enkelkinder sei allerdings wiederum wichtig, dass sich die Großeltern nicht in deren Leben einmischen: wo es um Liebeskummer-Fragen oder die Kleidung gehe.

Die gute finanzielle Absicherung der alten Menschen wirke sich auch stabilisierend auf das Verhältnis zu den Jungen aus. Ginge es den Alten nicht so gut, wäre das Verhältnis größeren Belastungen ausgesetzt, ergänzt Höpflinger.

Enkelkinder haben ihre Großeltern, bedingt durch die höhere Lebenserwartung, viel länger als früher. Durch die hohe Scheidungsrate und die Patchworkfamilien kämen viele neue
– nicht-verwandte- Personen in die Familie. Das führe zu Unruhe bei den Kindern: die Großeltern seien dagegen diejenigen, die bei solchen Turbulenzen den Jungen Kostanz vermitteln, so Höpflinger.

Literaturhinweis:
Enkelkinder und ihre Großeltern: Inter-generationelle Beziehungen
von Francois Höpflinger
Cornelia Hummel,Valerie Hugentobler.