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MI | 21.03 | 17:43
FOCUS-Sendung vom 24. März 2011 Anna Gamma: Ganz wach! Ganz wach!
Wie können wir die Haltung erreichen, dass wir wirklich präsent sind? Es sei vermutlich ein Problem, seit es den Menschen gibt, dass uns die Präsenz fehle, eröffnet Anna Gamma ihren Vortrag.
Körper, Geist und Seele
Unser Geist und unsere Seele seien ganz selten miteinander verbunden. Mit unserem Körper sind wir immer da, wo wir sind. Mit unseren Gefühlen und Gedanken sind wir aber meistens irgendwo anders; in die Vergangenheit oder die Zukunft hinein. Unser Denkapparat agiere meistens wie ein Autopilot.
Wie wir Einklang in uns finden: Disziplin
Anna Gamma stellt die Frage, ob wir mit unserem Geist, mit unserer Seele, mit unserem Körper am selben Ort sind: Das gebe es, ermutigt sie.

Dieser Einklang könne allerdings nur mit Disziplin gelingen. Ein Königsweg sind die Stille und der Atem. "Wir bringen Körper, Seele und Geist in Einklang, wenn wir entspannt und empfangend, nicht zupackend und zugreifend sind. Es gibt auch zwei verschiedene Formen des Zuhörens: etwa jene des Scannens: ich höre zu und ordne gleich zu, was ich weiß und was nicht. Die zweite Form äußert sich in Form einer Entscheidung: über das, was ich interessant finde oder wo ich von vorneherein abwehre, dass ich dem nichts abgewinnen kann." Anna Gamma nennt es zwei unkreative Formen des Zuhörens.
Sich auf das Wahrnehmen einstellen
1. Das ist das Hören, ein Wahrnehmen, bei dem ich die Sinne auf Empfang einstelle.

2. Wichtig dabei ist, dass wir dabei nichts einplanen, nichts erklären, nichts erwirken müssen.

3. Wir sollen gewahr sein, von dem was ist.

Diese Haltung sei heute so schwierig, weil wir einer enormen Reizüberflutung ausgesetzt sind. Sie verführe uns in Schein-und Parallelwelten und die Frage sei, warum wir das nicht abstellen können, verdeutlicht Anna Gamma die Problemstellung für unsere Wahrnehmung.
Ein Grundgefühl unserer Zeit: "Mangel "
Ein Grundgefühl unserer Zeit ist Mangel: zu wenig geschlafen, zu wenig Zeit, zu wenig Geld, zu wenig gute Beziehungen. Unser ganzes Wirtschaftssystem beruhe auf dieser MANGEL-Maxime. Das Jetzt ist nicht gut genug und das ist deshalb nicht gut genug, weil wir von unserer Tiefe abgeschnitten sind, beklagt Anna Gamma diese negative Haltung vieler Menschen in unserer Zeit.
Zur Person: Anna Gamma
Anna Gamma, geboren im Jahr 1950, ist Nonne, Psychologin, Unternehmensberaterin und Zen-Lehrerin. Seit 2003 leitet sie das "Lasalle-Institut für Zen, Ethik, Leadership" in Bad Schönbrunn in der Schweiz.

Sie ist Ordensmitglied des Katharina-Werks Basel, einer ökumenischen und interreligiösen Gemeinschaft. Diesen Vortrag hielt sie im Rahmen der "Tage der Utopie" im Bildungshaus St. Arbogast in Götzis.

Bücher von Anna Gamma
- Ruhig im Sturm. Zen-Weisheiten für Menschen, die Verantwortung tragen. (Kösel 2008)
- Lichtheilung als Weg zum Frieden. Meditationen, Übungen und Rituale. (Kösel 2005)
Musik:
Ursula Neuhauser
"Rendevous im Harfensalon"
Verlag: Tyrolensis
"Focus", 24.3.11