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MI | 21.03 | 17:47
FOCUS-SENDUNG VOM 21. APRIL 2011 "Facebook und Co - Chancen und Gefahren neuer Medien"
Gert Burger, SUPRO-Suchtprohylaxe Stiftung Maria Ebene
Prof.Dr. Armin Nassehi, Soziologe, Uni München
"digital gap" (engl.)- digitale Kluft
Die digitale Kluft bedeutet eine Wissenskluft zwischen Kindern und Eltern insofern, als die Kinder in Sachen neue Medien und deren Nutzung bzw. Anwendung besser informiert sind.Kinder sind wesentlich kompetenter als die Erwachsenen, zumindest insofern, als sie sich in der Technik besser auskennen, sie oft besser informiert sind, was es auf dem Markt gibt, sie verstärkt nutzen und auch kreativ mit ihnen umgehen.
Medienkritik stärken
In diesem Zusammenhang wäre die Medienkritik, also ob man das Medium und seine Handhabung kritisch anschaut, wichtig - ergänzt Gert Burger. Als Beispiel für den erforderlichen kritischen Blick nennt Gert Burger auch den Umgang der Menschen mit Medien: "...wenn sie sich etwa in TV-Shows höchst nachteilig und bloßstellend der Kamera ausliefern und das nicht nur sich selbst, sondern auch die gesamte Familie."

Burger bringt dies in Zusammenhang mit den in die sozialen Netzwerke gestellten Fotos, die für die Betroffenen bei Bewerbungen eine nachteilige Wirkung haben können. "Man bekommt sie auch nicht mehr weg, weil das Internet vergisst nie", ergänzt Gert Burger.
Kinder wachsen in Medienzentralen auf
Im durchschnittlichen deutschen Haushalt sind
4 Handys, 2,7 Computer und 2,7 Fernseher zu finden. Nach der deutschen Jim-Studie nutzen Jugendliche das Internet hauptsächlich für die Kommunikation. Bei den männlichen Jugendlichen spielt das Internet auch eine große Rolle bei den Computerspielen.

Nach SUPRO-Erhebungen geben 65 Prozent der 12-13-jährigen an, einen eigenen Computer zu besitzen. 41 Prozent mit eigenem Internetzugang. Für Gert Burger ist diese Zahl auffällig und erliest daraus ab, dass sehr viele Kinder bzw. Jugendliche bereits mit ihrem eigenen Computer im Internet sind.
Pornokonsum von Volksschülern
" Wenn ich ein Kind ohne jede Kontrolle ins Internet lasse, dann muss man damit rechnen, dass sich alle möglichen Gruppen / politische Extremisten, bedenkliche Spieleanbieter etc. / unkontrolliert Zutritt zum Kind verschaffen, mahnt Gert Burger.

"Man soll den 12-13-jährigen das Internet nicht verbieten,aber den unkontrollierten Zugang für diese Altersgruppe..." hält Gert Burger für höchst riskant. Ihm seien Fälle bekannt, bei denen Volksschüler einen mehr oder weniger regelmäßigen Pornokonsum hätten, weil sie auf der Suche im Internet darauf gestoßen seien, sagt Burger.
Soziale Netzwerke und der Begriff "Freund"
Facebook ist der Renner in Vorarlberg.
Rund eine Stunde verbringt der Durchschnitts-User pro Tag in Facebook. 58 Prozent der 12-13-jährigen geben an, täglich bzw. mehrmals in der Woche in sozialen Netzwerken online zu sein. Viele machen in Unkenntnis private Details,persönliche oder familiäre Dokumente und Fotos öffentlich.

Sie finden und suchen Freunde und schaffen so ein Netzwerk, das miteinander in Kontakt steht.
3 Milliarden Fotos werden monatlich weltweit auf Facebook gestellt.
"Cyber mobbing"
30 Prozent der 14-15-jährigen geben an, jemanden zu kennen, der/die via Internet gemobbt wurde. Jeder 5. Jugendliche wurde via Handy oder Internet belästigt.

Das gefährliche am Mobbing im Internet ist, dass es sich nicht im Schulhof abspielt, sondern 100.000-fache Vervielfältigung und Adressaten finden kann.
Tipps
SUPRO- Werkstatt für Suchtprophylaxe in Götzis:
www.supro.at/

Buchtipp:
Armin Nassehi: "Mit dem Taxi durch die Gesellschaft. Soziologische Storys."
"Focus", 21.4.11