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MI | 21.03 | 17:47
FOCUS-SENDUNG VOM 28. APRIL 2011 Die Energie der Güte und Sanftmut:
Dr. Eugen Drewermann

Zielsetzung
Die Menschlichkeit Jesu soll so vermittelt werden, dass sie in ihrer Menschlichkeit überzeugt und indem jeder spürt, wie notwendig sie ist. Wie ist es nur möglich, am Christentum zu leiden, wie unter einer die Menschheit erfassenden Neurose.

Die kirchliche Lehre sagt, "Wir wurden erlöst von der Sünde durch das Kreuzesopfer Jesu Christi im Gehorsam zu seinem Vater." Zwei Punkte in dieser Lehre können nicht erlösend wirken: Sie bewirken das Gegenteil von dem, wo von den Worten nach gesprochen wird.
Der verleumdete Gott
Kein Mensch möchte erlöst werden durch das Opfer eines Schuldlosen. Da ist ein Gott im Himmel, der sich unendlich herausgefordert fühlt, in seinem Gerechtigkeitswillen von den Sünden der Menschen: Niemand unter den Sterblichen und Endlichen kann diese Schuld begleichen.

Darum, dass Gott seinen eigenen Sohn, den Unendlichen, stellvertretend ans Kreuz schlagen lässt für sie alle. Ein Mensch, der mit solchen Optionen und Obsessionen ins Leben gerufen wird, kann nicht glücklich werden. Man verleumde Gott, wenn man in einer solchen Art über ihn redet. So interpretiert habe der Opfertod Jesu keine erlösende Wirkung.
Der milde Atem der Sanftmut gegen bürgerliche Gerechtigkeit
Jesus sah sich vor 2.000 Jahren von ähnlichen Vorstellungen umringt und versuchte sie zu bekämpfen: Aus dem milden Atmen seiner Sanftmut heraus duldete er nicht länger die Knechtung von Menschen in unendlichen Ängsten und Schuldgefühlen im Namen eines gerecht strafenden Gottes.

Das sei die Kampfansage Jesu gewesen, Gott ist gerecht, untermauert Eugen Drewermann seine Position. Gerechtigkeit lernen wir von Mensch zu Mensch im Umgang miteinander. Gerechtigkeit ist der Zentralbegriff der bürgerlichen Moral, der bürgerlichen Jurisprudenz: das Weltbild sehr einfach.

Menschen können gut sein, wenn sie nur wollen und wenn sie Böses tun, gehören sie bestraft entsprechend der Gerechtigkeit. Lohn und Strafe. "Auf der einen Seite des Flussufers stehen die Ordentlichen, die Guten, auf der anderen Seite, die ganz Anderen, die Verurteilens-und Verdammenswerten.

Was Jesus anbieten wollte, war, dass wir uns geborgen fühlen könnten in einem Gott, der nicht verstößt. Für Drewermann steht hier im Hintergrund eine Güte, die bereit ist, ins Unendliche zu vergeben und die nicht nachsteht, den Verlorenen nachzugehen.

Es kann nicht sein, dass wir uns gegeneinander abschnüren und aus Gott ein absolutes Prinzip der Verurteilung, der Verdrängung etc. machen
So ist nicht Gott, stellt Jesus fest: "Jesus spricht von Gott als einer väterlichen bzw. mütterlichen Macht, die uns begleitet, ins Leben locken möchte und der niemand verlorengeht".
Dr. Eugen Drewermann
Dr. Eugen Drewermann (Jahrgang 1940), Theologe ohne Lehrerlaubnis, suspendiert vom Priesteramt, ist ausgetreten aus der katholischen Kirche und ist ein international gefragter Referent, Psychotherapeut und Schriftsteller

Drewermann verfasste 80 Bücher, darunter zahlreiche Meditations- und Predigtbände.

Literaturhinweis:
Eugen Drewermann: Das Lukasevangelium,
zwei Bände, Patmos-Verlag.

Eugen Drewermann: Was uns Zukunft gibt - vom Reichtum des Lebens. Siebte Auflage/ Patmos Verlag.

"Focus", 28.4.11