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MI | 21.03 | 17:47
Focus-Sendung vom 2. Juli 2011 Claudine Nierth und Dr. Konrad Hummel: "Entscheide mit !- bei Themen für`s Leben"

Claudine Nierth (Bild: St. Arbogast)
Claudine Nierth
Gestaltung von Demokratie
"Hatten sie schon einmal ein demokratisches Erlebnis?", stellt Claudine Nierth die rhetorisch anmutende. Menschen leben, formen und gestalten Demokratie.

"Die Demokratie beginnt zwischen den Menschen zu leben, wenn sie zwischen uns lebt. Jede Demokratie sieht so aus, wie die Menschen, die sie leben, formen und gestalten. Wenn wir aufhören die Demokratie zu entwickeln, dann fängt die Demokratie an aufzuhören," umreißt Claudine Nierth ihr Verständnis demokratisch
legitimierter Gemeinschaften.
Konrad Hummel (Bild: St. Arbogast)
Konrad Hummel
Das Vertrauen auf die gute Idee
Die Grundlage der direkten Demokratie ist die Volksinitiative, die bei jedem selbst ansetzt. Sie haben eine Idee. Jeder Mensch sei ein potenzieller Ideenträger zur Lösung einer Problemstellung umschreibt Claudine Nierth die Chancen der direkten Demokratie.

"Die Initiativmöglichkeit ist die größtmögliche Chance, die eine Gemeinschaft dem Einzelnen zugesteht. Ich gestehe und vertraue jedem einzelnen Bürger zu, dass er in der Lage ist, für das Gemeinwohl eine Idee ins Spiel zu bringen."
Der Lebens-und Gestaltungsraum
"Die Gemeinschaft der Menschen ist in der Stadt, in der Gemeinde da, sie muss gestaltet werden," nennt Konrad Hummel eine der wesentlichen Aufgaben heutiger Stadt-Arbeit. Die Menschen definierten sich zuerst als Bewohner ihrer Stadt: die urbane Identität komme weit vor jener der nationalen.

Der Gestaltungsauftrag einer Stadt liege nicht in der Dienstleistungsoptimierung, sondern in der Identitätsstiftung, so Hummel.
Dialogprozess mit Bürgern
Wie gestaltet eine Stadt den Dialogprozess mit ihren Bürgern?

Es gehe dabei nicht um ein technisches Verfahren oder die Definition der Agenda.
Nicht die Meinungsäußerung mit JA oder NEIN ist hier nach Konrad Hummel gemeint, weil Demokratie nicht in einem TED-Verfahren bestehe. Die Fragestellung mit dem Bürger zu erarbeiten, sei zentral- so Konrad Hummel, nicht die Antwort. Die Fragestellung was ansteht, wie sie etwas planen wollen?

Es lasse sich z.Bsp.: an der ganztägigen Kinderbetreuung zeigen. Nicht eine angebotene städtische Wochen-Lösung von 9 bis 16 Uhr helfe die Interessen der berufstätigen Frauen zu berücksichtigen, sondern viele Einzelinitiativen gehören wie in einem Patchworkverfahren berücksichtigt, damit Kinderbetreuung gelingen könne, sagt Konrad Hummel.

Das Bauvorhaben "Stuttgart 21", gegen das sich massiver Bürger-Widerstand formiert, gelte als Menetekel für obrigkeits-staatliche Entscheidungen, die ohne Bürger entschieden und umgesetzt werden sollten. „Stuttgart 21“ habe die demokratie-politische Stimmung in Deutschland grundsätzlich verändert.
Nach der Finanzkrise habe der Bürger das Heft in die Hand genommen, um seinen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen.

Claudine Nierth und Konrad Hummel haben die Vorträge bei den Tagen der Utopie 2011 im Bildungshaus St. Arbogast in Götzis gehalten.
"Focus", 2.7.11