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MI | 21.03 | 17:47
FOCUS-SENDUNG VOM 4. AUGUST 2011 "Auch Eltern dürfen Fehler machen"

Diplompsychologin Jirina Prekop
Jirina Prekop, Erziehungsexpertin und Diplompsychologin vertritt den Standpunkt: "Ohne Fehler gibt es kein Lernen!". Sei es bei den Eltern oder aber auch im Alltag bei der Erziehung ihrer Kinder.
Eltern machen Fehler
Es sei eine klare Sache: Eltern machten Fehler. Die Frage sei, wie man damit umgeht, wie man Fehler aufarbeitet, sie bereut, ob man zu Selbstkritik fähig ist, ob man miteinander kommunizieren, sich entschuldigen, aus Fehlern lernen kann und dazu bereit ist, Korrekturen vorzunehmen. Das klingt schwieriger, als es ist meint Jirina Prekop und sie ermutigt Eltern, sollten sie unsicher oder verschreckt sein oder sich gar schuldig fühlen. Jirina Prekop gibt ihnen Motivation und ein Stückweit hilft sie ihnen auf den Weg.
Liebe und Anerkennung
"Kinder können in die Wohlstandsverwahrlosung" rutschen, wenn alle Wünsche erfüllt werden, und sie sich nirgendwo durchzusetzen brauchen, etwas zu erreichen und zu erarbeiten. So erschließe sich sicher nicht der Sinn des Lebens", lautet die kritische Mahnung von Jirina Prekop.
Familienberaterin Christine Kügerl
Die Kärntner Ehe-Familien- und Lebensberaterin Christine Kügerl formuliert den Wunsch vieler Eltern, dass ihr Kind einerseits eine starke und selbstbewusste Persönlichkeit werde; sie wollten aber auch, dass das Kind in der Gemeinschaft glücklich wird.

Als wertvolle Maßnahme zur Missbrauchs-Prävention nennt Christine Kügerl, dass das Kind inner- oder außerhalb der Familie eine verlässliche Bezugsperson benötige.
Das Kind brauche einen Menschen, der die Bedürfnisse erkennt und nur dort JA oder NEIN sagt, wo JA oder NEIN notwendig ist: diese Person akzeptiere auch ein JA oder vor allem auch ein NEIN des Kindes.
Psychotherapeutin Eva Gold
Die Psychotherapeutin Eva Gold nimmt die "wir- haben-alles-Gesellschaft" unter die Lupe und entdeckt unter der obersten Hautschicht eine große Leere und plädiert für das Einüben des bewussten Erlebens des Jetzt.

Die westliche Gesellschaft habe, ob der Absicherung der existenziellen Grundlage die beste Chance "erleuchtet – sich bewusst zu werden", sagt Eva Gold. Die dabei wichtigen Fragen seien "Was möchte ich verwirklichen? Wer bin ich wirklich? Wie möchte ich wahrhaftig sein?
Zu den Personen:
Jirina Prekop verließ nach dem Studium der Psychologie, Philosophie und Pädagogik 1970 die Tschechoslowakei und ließ sich in der Bundesrepublik Deutschland nieder. Sie war als Psychologin im Olgahospital in Stuttgart tätig. 1981 übernahm sie von der amerikanischen Psychologin Martha Welch die Grundsätze der Festhaltetherapie zur Heilung von Autismus und entwickelte sie, unter Einbeziehung des „systemischen Ansatzes" des ebenfalls umstrittenen Bert Hellinger, zur „Festhaltetherapie nach Prekop" weiter. Daneben veröffentlichte sie mehrere Erziehungsratgeber.Heute lebt Jirina Prekop in Lindau am Bodensee.

Christine Kügerl, Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin, Dipl. Elternbildnerin, diplomierte Ehe-Familien und lebensberaterin und arbeitet am Institut für Familienberatung und Psychotherapie der Caritas Kärnten in Villach.

Eva Gold, Psychotherapeutin in eigener Praxis in Bregenz und London. Aus- und Fortbildungen in Katathymer Imaginativer Psychotherapie (KIP), Psychodrama und Bibliodrama. Systemische Familientherapie nach Virginia Satir, Systemische Aufstellungsarbeit, Systemische Organisationsaufstellung und Transpersonale Psychotherapie
Literatur:
Jirina Prekop. Eltern dürfen Fehler machen: Wie Familien an Schwierigkeiten wachsen. Verlag: Kindle Edition

Jirina Prekop. Der kleine Tyrann: Welchen Halt brauchen Kinder?

Jirina Prekop und Christel Schweizer. Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen: Ein Elternbuch.
"Focus", 4.8.11