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MI | 21.03 | 17:47
Focus-Sendung vom 8. September 2011 Dr. Michael Tischinger: "Das Leben als Geschenk - die Kraft innerer Einstellungen"
Das Leben kommt uns oft entgegen und macht die unterschiedlichsten Geschenke - damit leitet Dr. Tischinger seinen Vortrag ein.
Michael Tischinger (Bild: Adula Klinik Oberstdorf)
Geschenke annehmen und weiterreichen
Es sei an mir/uns, diese Geschenke anzunehmen. Der Satz „Ich habe es nicht verdient, ich habe dafür nichts getan“, kann einen hindern, etwas wirklich anzunehmen; d.h. so Michael Tischinger, dass es gar nicht so selbstverständlich ist, Geschenke anzunehmen, weil es den Satz in uns geben kann: „Ich darf nicht. Ich bin nicht berechtigt" oder es seien Erwartungen bzw. Vorstellungen, die mir im Wege stehen, die von uns bewertet werden, und gleichzeitig unseren Vorstellungen nicht entsprechen.

Das heißt auf das Leben übertragen, so Dr. Tischinger, dass das Leben uns etwas schenkt, wir aber bereits eine Vorstellung davon haben, wie es auszusehen hat, selbst wenn es gar nicht zu uns passt.

Der erste Schritt vom Leben beschenkt zu werden, kann mit sich bringen, dass wir es entweder annehmen oder ablehnen.
Wir haben Vorstellungen von dem, was wir zu brauchen meinen und möglicherweise lehnen wir das, was das Leben für uns bereithält, ab.

Die 100-Prozent-Anleitung für die Depression sei, sagt Psychiater Tischinger, dass wir das , das uns das Leben zur Verfügung stellt, nicht wollen. Bzw. das , das man nicht haben kann, will. Er sei sich sicher, dass man mit dieser Einstellung über kurz oder lang sich sehr niedergeschlagen fühle, so Tischinger.“Sie grollen dem Leben und werden in irgendeiner Weise auch depressiv.“
Mit Dankbarkeit annehmen
Annehmen ist nicht dasselbe wie konsumieren. Konsumieren heiße, etwas zu verschlingen und am nächsten Tag nichts mehr davon zu verspüren. Annehmen heiße dagegen, es habe einen nachhaltigen Effekt. Nur wenn ich mit Dankbarkeit nehme, dann nehme ich wirklich an.
Etwas ganz anzunehmen, heiße nicht zuerst bewerten,nicht zu sagen, das will ich oder das will ich nicht. Nicht nur Talente und Begabungen dienen mir, sondern auch Krisen, Krankheiten, Schicksalsschläge.

Schicksal ist nach Michael Tischinger so zu verstehen, dass es etwas ist, was das Leben mir `schickt`, um " sal", - gesund- zu werden.
Wenn ich offen bin, wenn ich alles unter dem Blickwinkel anschaue, es möge mir dienen und das Leben möge mir auf diese Weise etwas zur Verfügung stellen, dann nehme ich von der vorschnellen Bewertung - gut-schlecht-richtig- falsch- will ich- will ich nicht- Abstand.
Zur Person:
Dr. Michael Tischinger ist nicht nur Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und für psychosomatische Medizin.
Er ist Chefarzt von zwei psychosomatischen Kliniken im Allgäu - der Adula Klinik in Oberstdorf und der Hochgrat Klinik in Oberstaufen.
Dr. Michael Tischinger ist auch Theologe.

Musik:
CD: MoZuluArt - Zulu music meets Mozart
"Focus", 8.9.11