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MI | 21.03 | 17:48
Juriatti Buch (Bild: Otto Müller Verlag)
Rainer Juriatti: "47 Minuten und 11 Sekunden im Leben der Marie Bender"
Marie ist ein hübsches Mädchen aus gutbürgerlichem Haus. Mit sechzehn verschwindet sie für drei Tage spurlos, sie wird schwanger, später zieht sie mit ihrem kleinen Sohn Leo in eine betreute Wohnung.
Jahre des Hoffens und Bangens
Falsche Freunde bringen sie in Kontakt mit Drogen, bald ist es Heroin. Nach einem versuchten Einbruch in die Schule und einem Brand im Haus ihrer Eltern folgt der Rausschmiss aus dem Gymnasium und der betreuten Wohnung. Interventionen der Eltern und des Betreuers fruchten nicht.

Rainer Juriatti war acht Jahre lang in der Suchtarbeit tätig und hat seine Erzählung dem ehemals suchtkranken René B. gewidmet, der vor elf Jahren an Leukämie verstarb. Zwischen die letzten 47 Minuten und 11 Sekunden im Leben der Marie Bender, die den Kern der Erzählung bilden, hat Juriatti fünfzehn Kapitel eingeflochten, die die Zeitspanne der letzten zwei Jahre im Leben von Marie umfassen. Jahre des vergeblichen Hoffens und Bangens der Familie, Jahre der Entfremdung.
Ohne moralische Wertung
Rainer Juriatti erzählt mit ehrlicher Empathie, ohne in Betroffenheitskitsch abzugleiten. Sensibel, akribisch und ohne moralische Wertung lotet er Rauschzustände und deren brutale Folgen für Körper und Psyche der jungen Frau aus.

Das Buch ist im Otto Müller Verlag Salzburg erschienen.

(Tipp von Annette Raschner)