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MI | 21.03 | 17:43
Michael Kasper (Bild: Meznar-Media)
Museumsleiter Kasper im Interview
Der neue Leiter der Montafoner Museen, Michael Kasper, will die Social Networks stärker für die Arbeit und Präsentation der Museen nützen. Hier können Sie ein Interview mit Kasper nachlesen.
Förderung von jungen Wissenschaftlern
Facebook, Twitter, Vernetzung und Tourismus sind die Schlagworte von Kasper für die kommenden Jahre. In den Social Networks werden die vier Museen des Tales stärker präsent sein, ebenso wird dort über die laufenden Projekte kontinuierlich berichtet.

Dass durch die touristische Vermarktung Inhalte verwässert oder gar verkitscht werden könnten, glaubt Kaspar nicht. Als Gegenbeispiel nennt er das laufende Interreg-Projekt "Silvretta Historica", das grenzüberschreitend wissenschaftliche Forschungen und touristische Vermittlungsangebote verbinde. Durch Forschungsprojekte möchte Kasper in Zukunft besonders junge Wissenschaftler aus der Region fördern.
Klima- und Schaudepot gewünscht
Die budgetäre Lage der Montafoner Museen hält der neue Chef angesichts der Unterstützung durch den Stand Montafon und die Beiträge der fast 900 Mitglieder des Heimatschutzvereins für recht solide. Dringender Handlungsbedarf sei hingegen bei der Lagerung der Sammlungsgegenstände gegeben. Idealerweise soll ein Klima- und Schaudepot entstehen - und zwar im Zuge des Umbaus zum "MuseumNeu" in Schruns.

Der ist im Tal ja ein heißes Eisen, die momentane Version vielen Montafonern zu modern. Nicht für Kasper. Die architektonische Gestaltung wäre eine Bereicherung für das Zentrum von Schruns und den Architekturtourismus.
Interview
das Interview mit Michael Kasper führte ORF-Vorarlberg-Redakteur Martin Hartmann
Auf der Homepage der Montafoner Museen kündigen Sie eine intensive Nutzung neuer Medien wie Facebook oder Twitter, eine stärkere Kooperation mit dem Tourismus und mehr Präsenz in allen zehn Montafoner Gemeinden an. Gibt es bereits konkrete Ideen für diese drei Punkte? Und: Bedeutet Tourismus nicht auch Verwässerung der Wissenschaft oder bringt er sogar die Gefahr der Verkitschung mit sich?

Bezüglich des Aspekts der verstärkten Nutzung neuer Medien werden die Montafoner Museen in einem ersten Schritt im sozialen Netzwerk „Facebook“ stärker Präsenz zeigen. Auf dieser Plattform wird über die Aktivitäten in den vier Museen, aber auch über die zahlreichen laufenden Projekte wie etwa „Silvretta Historica“, „Via Valtellina“ oder „Schwabenkinder“, berichtet werden.
Die Kooperation mit dem Tourismus läuft bereits sehr gut. Einerseits erfolgt sie etwa im Rahmen des Interreg-Projekts „Silvretta Historica“, das grenzüberschreitend wissenschaftliche Forschungen und touristische Vermittlungsangebote im Bereich der Archäologie und der Geschichte am Beispiel der Silvretta-Region thematisiert. Andererseits wird im Zuge unseres neuen Programmschwerpunkts „SeptiMo“, der Ende August starten wird und den ganzen September hindurch eine Vielzahl an kulturhistorischen Veranstaltungen im gesamten Tal bieten wird, eng mit den Tourismusverbänden zusammengearbeitet. Dabei ist zu betonen, dass die Kooperation mit Partnern aus dem Tourismus keineswegs zwangsläufig zu einer Verwässerung oder gar Verkitschung der Wissenschaft führen muss. Gerade beim erstgenannten Projekt „Silvretta Historica“ erfolgt Forschung auf höchstem wissenschaftlichen Niveau, das unter anderem durch Partner von drei verschiedenen Universitäten gewährleistet wird.

Ebendort haben Sie auch gemeint, dass die finanziellen Mittel knapper werden und Kooperationen damit wichtiger. Wissen Sie bereits von oder rechnen Sie mit einer Budgetkürzung?

Die budgetäre Lage der Montafoner Museen ist in Anbetracht der vielfältigen Aktivitäten recht solide. Vor allem die Unterstützung durch den Stand Montafon ist neben den Mitgliedsbeiträgen der fast 900 Mitglieder des Heimatschutzvereins ein wichtiges Standbein für uns. In Zukunft wird es aber auch ohne Budgetkürzungen vermehrt notwendig werden anderweitig Fördermittel und Sponsorenbeiträge für konkrete Projekte zu lukrieren.

Wurde in den vergangenen Jahren so viel geforscht, dass nun vorläufig ein „Forschungsstop“ eingelegt wird?

Das sich seinem vorläufigen Ende zuneigende Projekt „Montafoner Geschichte“ hat zweifellos einen beeindruckenden Output an wissenschaftlichen Erkenntnissen hervorgebracht. Diese Ergebnisse sollen nun nicht nur in den entsprechenden Publikationen nachzulesen sein, sondern auch auf anderen Wegen der Öffentlichkeit möglichst gut aufbereitet zugänglich gemacht werden. Deswegen kann jedoch keineswegs von einem Forschungsstopp die Rede sein. Die zahlreichen derzeit laufenden Forschungsprojekte werden selbstverständlich weitergeführt und auch in Zukunft werden von uns neue wissenschaftliche Tätigkeiten angeregt und durchgeführt werden. Die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Region ist mir dabei ein besonderes Anliegen.

Beim Heimatmuseum „neu“ in Schruns kommt Widerstand aus der Bevölkerung – wie sehen Sie selbst das aktuelle Projekt und wie hoch schätzen Sie die Chance ein, dass es so zustande kommt?

Meine Position zum „MuseumNeu“ ist ein klares „Ja“ zu diesem Projekt, denn es bietet eine Vielzahl an Vorteilen für uns von Seiten des Museums, aber vor allem auch für die Gemeinde Schruns und die gesamte Talschaft Montafon. Die architektonische Gestaltung wäre eine Bereicherung für das Zentrum von Schruns und den in ganz Vorarlberg mittlerweile gut aufgestellten Architekturtourismus. Ausstellungen und Veranstaltungen wären endlich unter adäquaten Rahmenbedingungen möglich, die räumliche Zusammenlegung mit den Büchereien und die Kooperation mit verschiedenen Kulturvereinen würde die Etablierung eines regionalen Bildungs- und Kulturzentrums ermöglichen und somit eine Begegnungsstätte für Menschen aller Altersgruppen schaffen. Die damit einhergehende Belebung des Dorfzentrums würde sich positiv auf Geschäfte und Gastronomie in Schruns auswirken. Ein besonders wichtiger Effekt des Umbaus wäre auch die Sicherung unserer wertvollen Sammlung in einem schützenden Klimadepot.
Auch wenn es seitens bestimmter Personen und Gruppierungen Widerstand gegen die Neugestaltung der Fassade aus ästhetischen Gründen gibt – andere Argumente wurden mir gegenüber noch nicht geäußert, sehe ich darin keine grundlegende Ablehnung des Projekts „MuseumNeu“. Ich denke, dass wir weiterhin im Rahmen von Gesprächen und Veranstaltungen die Information über die vielen positiven Auswirkungen dieses Projekts nach außen tragen müssen, es aber schlussendlich aufgrund dieser vielen Vorteile auch zu einer Zustimmung kommen wird.

Was sind die wichtigsten Aufgaben in punkto Sammlungstätigkeit?

Im Bereich der Sammlung geht es wohl weniger um eine groß angelegte Erweiterung derselben, als vielmehr um die bestmögliche Erhaltung und Restaurierung der vorhandenen Objekte. Es besteht hierbei ein dringender Handlungsbedarf bei der derzeitigen Depot-Situation. Idealerweise würde eine Verbesserung in Zusammenhang mit der Erstellung eines Klima- und Schaudepots im Zuge des Umbaus zum „MuseumNeu“ erfolgen.

Hat Sie seit Ihrer Amtsübernahme etwas überrascht bei den Montafoner Museen?

Die Montafoner Museen sind mir aufgrund meiner bisherigen Mitarbeit bei mehreren Ausstellungen und Publikationen in den letzten Jahren nicht gänzlich neu. In den wenigen Tagen seit meinem Dienstantritt haben mich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedoch immer wieder durch ihr unglaubliches Engagement, das ausgezeichnete Arbeitsklima und die positive Stimmung innerhalb des Teams überrascht.

Was sind Ihre persönlichen „Steckenpferde“?

Als Historiker liegen meine persönlichen Interessen ganz besonders im Bereich meiner bisherigen wissenschaftlichen Tätigkeiten, insbesondere der Sozialgeschichte des ländlichen Raumes in der Neuzeit. Das Montafon und die umliegenden Regionen bieten dabei ein ideales Betätigungsfeld für meine Forschungen. Allerdings bin ich aufgrund meiner breiten Ausbildung auch sehr an fächerübergreifenden Forschungen interessiert: Die Schnittstellen zwischen Geografie, Geschichte, Archäologie, Volkskunde, Religion und Kunstgeschichte stellen dabei besondere Schwerpunkte dar.

Was darf auf keinen Fall passieren bei den Montafoner Museen?

Ich hoffe in den ersten Wochen nie die Alarmanalage im Museum auszulösen…
"Landestundschau", 5.8.11