Wien ORF.at Ratgeber
TV-ProgrammTV-ThekRadioÖsterreichWetterSportIPTVNews
MI | 21.03 | 17:43
Migräne (Bild: ORF)
Migräne - wie ein Gewitter im Kopf
Etwa 20 Prozent der Bevölkerung leidet an Migräne. Die starken Kopfwehattacken kommen meist ganz plötzlich und fühlen sich an wie ein Gewitter im Kopf. Was ist Migräne? Und was kann man dagegen tun? Wir haben nachgefragt.
Quelle: Dr. Philipp Werner, Facharzt für Neurologie
Landeskrankenhaus Feldkirch.
Was ist Migräne?
Meist beginnt es mit einem Flimmern vor den Augen, Übelkeit überkommt einen und helles Licht wird unerträglich - vor allem Frauen leiden unter diesen Migräneattacken. Menschen mit Migräne haben meist einen sehr langen Leidensweg hinter sich, bis sie - vielleicht- Linderung verspüren oder das Glück haben, ein Mittel dagegen gefunden zu haben.

Nach heutigem Wissensstand wird der Zustand vererbt, dass bestimmte Poren an Nervenzellen im Gehirn bestimmte Mikrostoffe zu leicht in das Zellinnere dringen lassen und dadurch Teile des Gehirns in ihrer Funktion beeinträchtigt. Dies führt zu den typischen Symptomen dieser Krankheit. Somit kann die Migräne durchaus als "Erbkrankheit" bezeichnet werden, die sich in vielen Familien wie ein roter Faden durch Generationen zieht.
Video
"Vorarlberg heute"-Beitrag von ORF-Redakteurin Theresia Bilgeri. Im Interview zu sehen sind die Schülerin Martina Malin, Philipp Werner, Neurologe am LKH Feldkirch und der "Vorarlberg heute"-Moderator Christoph Waibel.

Dieses Element ist nicht mehr verfügbar

Ist Migräne heilbar?
Migräne ist zum momentanen Zeitpunkt (noch) nicht heilbar, da die genaue Ursache für Migräne trotz reger Forschungstätigkeit in den letzten Jahren noch nicht gefunden werden konnte.

Allerdings ist man des Rätsels Lösung schon sehr nahe gekommen. Vorerst müssen sich Betroffene noch mit den verschiedensten Behandlungsmethoden abfinden. Diese bringen viel Erleichterung für die Geplagten. Zum Glück, denn die Migräne ist eine Krankheit, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter den Top-20-Bürden der Menschheit eingestuft wurde.
Gibt es bestimmte Auslöser für Migräne?
Migräne ist eine Anfallskrankheit, bei der Beschwerden nur in der akuten Phase ("Migräneanfall") vorhanden sind und die Betroffenen zwischen den Anfällen gesund bzw. beschwerdefrei sind.

Patienten berichten über mannigfaltige Auslöser von Migräneanfällen: häufig genannt werden Nachlassen von Stress, Hunger, Alkoholkonsum, körperliche Überanstrengung, Menstruation, geänderte Schlafgewohnheiten und Witterungswechsel. Allerdings sind diese häufigen Beispiele nicht für alle Attacken verantwortlich.
Was tun bei einer akuten Migräne-Attacke?
Fast alle Patienten empfinden den Kopfschmerz als derart belastend, dass sie gerne zu Medikamenten greifen. Nur wenige sind in der Lage, mit kalten Umschlägen, kühlenden pfefferminzhaltigen Ölen oder Cremes und Ruhe die Dauer der Kopfschmerzen abzuwarten.

Für den Großteil der Betroffenen ist allerdings die frühzeitige Einnahme und ausreichende Dosierung von speziellen Medikamenten notwendig. Dabei sollte vorerst ein unspezifisches Schmerzmittel ausprobiert werden. Wichtig ist auch die Einnahme eines Medikaments gegen Übelkeit, auch dann, wenn diese nur gering ausprägt ist.

Dadurch wird nämlich die während der Migräne-Attacke auftretende Magen-Darm-Trägheit aufgehoben und das Schmerzmittel besser in den Körper aufgenommen. Erst wenn normale Schmerztabletten nicht ausreichen, werden vom behandelnden Neurologen spezielle Migränemittel verordnet.

Diese verengen die während der Kopfschmerzen erweiterten Blutgefäße des Gehirns und verhindern dadurch ein Austreten von Blutbestandteilen, welche die umgebenden Nervenfasern reizen und den Kopfschmerz verursachen. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl derartiger Migränemedikamente, die fast jedem Patienten rasch Erleichterung bringen.
Kann ich einer Migräne-Attacke vorbeugen?
Es gibt eine Vielzahl an prophylaktischen Maßnahmen, also Maßnahmen, die einer Migräne vorbeugen. Diese helfen fast immer. Sollten Sie an mehr als vier Tagen im Monat an Kopfschmerzen leiden, sollten Sie auf jedem Fall einen im Kopfschmerz erfahrenen Arzt aufsuchen, aber nicht nur wegen der Beeinträchtigung der Lebensqualität, sondern auch wegen der Gefahren, die ein übermäßiger Schmerzmittelkonsum mit sich bringt.

Einerseits kommen nicht-medikamentöse, andererseits medikamentöse Verfahren/Therapien zur Anwendung. Dadurch können Kopfschmerz-Attacken in der Zahl und in der Intensität deutlich verringert werden. Wenn Auslöser nicht vorhanden sind oder sich nicht vermeiden lassen, wird dem Patienten vorerst nicht-medikamentöse Vorbeugung empfohlen.

Ein geregelter Lebensrhythmus (Schlaf, Essen und Trinken) und richtiges Ausdauertraining haben nicht selten einen verblüffenden Erfolg. Stress bzw. Nachlassen von Stress ist fast immer mit einer Zunahme der Migränehäufigkeit verbunden. Da nur wenige Patienten diesem aus dem Wege gehen können, wird Stressbelasteten immer eine Stressbewältigung angeboten.

Patienten lernen entweder in Eigenregie oder in Kursen und speziellen Therapieverfahren zu entspannen. Am leichtesten und effizientesten können diese durch Biofeedback erlernt werden. Mit speziellen Biofeedbackprogrammen für Migränepatienten lassen sich annähernd dieselben Behandlungsergebnisse erzielen wie mit den meisten medikamentösen Vorbeugungsmaßnahmen. Schmerzhafte Muskelverspannungen im Schulter-Nacken-Bereich dürften ebenfalls Grund für eine Zunahme der Kopfschmerzhäufigkeit sein.
"Vorarlberg heute", 5.6.11