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MI | 11.04.2012
Hubert Gorbach (Bild: ORF)
mit 1. juni
Gorbach verlässt Klaus-Holding
Nach viermonatiger Tätigkeit beendet Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach seine Tätigkeit beim Touristikunternehmer Walter Klaus. Falsche Erwartungen hätten dazu geführt, so Eduard Tschofen, stellvertretender Vorsitzender der Klaus-Holding.
"Geändertes Anforderungsprofil"
Walter Klaus habe etwas erwartet, dass Hubert Gorbach nicht bringen konnte, und Gorbach habe seinerseits etwas erwartet, dass Klaus nicht bringen konnte, so Tschofen im Radio Vorarlberg-Interview am Freitagnachmittag, die Erwartungen seien also auseinander gegangen.

Grund sei der krankheitsbedingte Rückzug von Konzernboss Klaus aus dem operativen Geschäft gewesen, so Tschofen. Dadurch habe sich das Anforderungsprofil für Gorbach geändert. Um ihn in den neuen Arbeitsbereich einzuführen, hätte es trotz der überstürzenden Ereignisse eine begleitende Hand gebraucht.
"Tätigkeit nicht klar definiert"
Doch auch die ursprüngliche Tätigkeit von Gorbach sei nicht klar definiert gewesen, so Tschofen. Für die von Gorbach übernommene strategische Ausrichtung der Klaus-Gruppe gebe es bis heute noch keine Zielvorgabe.

Bevor ein Nachfolger für Gorbach gesucht wird, müsse zuerst die Aufgabe festgelegt werden, so Tschofen. Entweder eine Assistenz für Klaus oder die Formierung eines Konzerns.
"Gorbach orientiert sich beruflich neu"
Gorbach wird laut einer Aussendung der Klaus-Holding am 1. Juni seine Funktionen in der Klaus-Gruppe zurücklegen. Gorbach orientiere sich beruflich neu, heißt es in der Aussendung am Freitagvormittag. Es sei sein Wunsch, eine auf Selbstständigkeit ausgerichtete Tätigkeit aufzubauen, in der er seine Erfahrungen und internationalen Kontakte optimal einsetzen und seine Zukunft neu gestalten könne.

"Walter Klaus und Hubert Gorbach betonen ausdrücklich, dass dieser Schritt keinen Einfluss auf ihre persönliche freundschaftliche Beziehung hat. Die Zusammenarbeit wird in bestem Einvernehmen beendet", steht es wörtlich in der Aussendung.
Walter Klaus (Bild: ORF)
Walter Klaus
Klaus: "Habe lange auf Gorbach gewartet"
Ein Interview wollte Gorbach am Freitag nicht geben. Walter Klaus verwies am Telefon darauf, dass man Stillschweigen vereinbart habe. Er sage nur soviel, dass er lange auf Gorbach gewartet habe und auf eine Entlastung gehofft habe.
Aufregung über Gorbach-Klaus-Verbindung
Die Verbindung von Gorbach zur Unternehmensgruppe des Touristikers Klaus sorgte schon zu Beginn für Aufregung. Als Gorbach noch Verkehrsminister war, wurde die ÖBB-Bodenseeschifffahrt privatisiert, Klaus erhielt den Zuschlag.

Gorbach sei in dieser Angelegenheit befangen, lautete die Kritik. Mit der Privatisierung der ÖBB-Bodenseeschifffahrt bereite sich Gorbach auf die Rückkehr in die Privatwirtschaft vor.

Der beabsichtigte Wechsel des ehemaligen Bundespolitikers in das Unternehmen von Klaus war bereits im Mai 2005 publik geworden. Bis zur Bestellung der neuen Regierung im Jänner dieses Jahres blieb Gorbach als Vizekanzler im Amt.
FPÖ-Amann: Abgang eine legitime Sache
Für den freiheitlichen Wirtschaftssprecher Fritz Amann ist der Abgang von Gorbach aus der Klaus-Gruppe eine legitime Sache. Gorbach habe wirtschaftliche Qualitäten und sehe jetzt die Möglichkeit, sie noch besser nützen zu können.

Für den ehemaligen Parteikollegen von Gorbach scheint klar, dass Gorbach das Unternehmen freiwillig verlassen habe und nicht dazu gedrängt wurde.
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