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MI | 11.04.2012
August Paterno (Bild: ORF)
Fernsehkaplan
August Paterno an Krebs gestorben
Kaplan August Paterno ist kurz vor seinem 72. Geburtstag einem Krebsleiden erlegen. Der gebürtige Dornbirner war über 30 Jahre lang als beliebter Fernsehkaplan bekannt.
Medienkarriere
Paterno wurde am 31. Juli 1935 in Dornbirn geboren. Er studierte Theologie und Philosophie in Innsbruck und Salamanca. 1966 wurde er zum Priester geweiht und arbeitete als Kaplan und Religionslehrer.

Paterno machte eine Medienkarriere - er gestaltete für den ORF verschiedene Radio- und Fernsehsendungen wie "Christ in der Zeit" und "Fragen des Christen". Zudem war er Kolumnist bei mehreren Zeitungen sowie Buchautor.

Seine Auftritte zeichneten sich durch seinen persönlichen Stil aus, der ihm viel Sympathie einbrachte. Er habe die Medien immer als Kanzel gesehen, sagte Paterno im Jahr 2002 in einem Interview: "Ich wollte ein Gottesbild transportieren, vor dem man keine Angst hat. Das habe ich immer als meine Aufgabe angesehen."
Missbrauchsvorwürfe
Im Jahr 2004 wurden Missbrauchsvorwürfe gegen Paterno bekannt. Er wurde beschuldigt, Jahre zuvor mehrere männliche Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Paterno selbst wies die Vorwürfe zurück.

Rund zwei Wochen nach Bekanntwerden der Anschuldigungen bat er um seine Pensionierung, Bischof Klaus Küng entsprach dem Wunsch umgehend.

Die von der kirchlichen Behörde in Rom und der Staatsanwaltschaft Feldkirch eingeleiteten Untersuchungen wurden wegen Verjährung eingestellt.
Zuletzt in Niederösterreich gelebt
In den letzten Jahren lebte Paterno in Pulkau in Niederösterreich. Dort baute er das Europahaus, ein Zentrum für Jugendliche, auf. Dafür wurde er anlässlich seines 70. Geburtstages vor zwei Jahren mit der Ehrenbürgerschaft von Pulkau ausgezeichnet. Er starb am Dienstagmorgen im Hospiz des "Stephansheims" im niederösterreichischen Horn.
Tiefe Betroffenheit in ganz Österreich
Der Tod von Paterno hat tiefe Betroffenheit in Österreich ausgelöst. Für Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) war Paterno "ein großer Volksprediger, der immer versucht hat, den Menschen bereits in dieser Welt Hoffnung zu geben". Paterno habe die modernen Medien ebenso genutzt wie das traditionelle Wort. Keine seiner Botschaften werde jemals veraltet sein, so Gusenbauer.

Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP) sprach von einem "herben Verlust". Paterno habe es vermocht, die Kirche direkt in die Wohnzimmer der Österreicher zu bringen. Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) würdigte Paterno als "leidenschaftlichen Seelsorger mit einem großen Herzen".
Schönborn: "Ein Seelsorger für viele"
Kardinal Christoph Schönborn sagt: "Paterno war ein Seelsorger, der weit über den innerkirchlichen Bereich hinaus gewirkt hat. Er hat vielen Menschen einen Zugang zur Kirche und zum Glauben eröffnet." Er sei mit Paterno auch durch "die Liebe zur gemeinsamen Heimat Vorarlberg" verbunden gewesen.

Sein besonderer Dank gelte den Freunden Paternos, "die ihm auch in den dunkler Stunden und in seiner Krankheit die Treue bewahrten, als er nicht mehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit stand", betont Schönborn.
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