Vorarlberg ORF.at
MI | 11.04.2012
Seniorenheim Egg (Bild: D. Mathis)
Brandkatastrophe
Feuer entstand offenbar in Abfallbehälter
Nach der Brandkatastrophe im Seniorenheim in Egg steht die Brandquelle so gut wie fest. Laut der Sicherheitsdirektion brach das Feuer nach derzeitigem Erkenntnisstand in einem Abfallbehälter aus.
Elmar Marent (Bild: ORF)
Elmar Marent
Auch Wäsche in Behälter deponiert
Laut Sicherheitsdirektor Elmar Marent steht definitiv fest, dass sich das Feuer am Freitagabend im Inneren des Gebäudes entzündet hat. Ein Fremdverschulden von außen sei auszuschließen.

Nach derzeitigen Erkenntnissen weise alles darauf hin, dass das Feuer in einem Abfalleimer auf einem Verbindungsgang zwischen Kapelle und einer Toilette ausgebrochen sei, so Marent am Samstagnachmittag bei einer Pressekonferenz.

In diesem Behälter werde auf der einen Seite benutzte Wäsche deponiert, auf der anderen Abfall. Was das Feuer in diesem Behälter ausgelöst hat, könne noch nicht gesagt werden, so Marent.
Spezialisten aus Vorarlberg und Wien
Noch in der Nacht auf Samstag hatten die Ermittler mit der Untersuchung am Unglücksort begonnen. Laut Marent befanden sich den ganzen Tag über Spezialisten des Landeskriminalamtes vor Ort, die von drei Sachverständigen des Kriminaltechnischen Dienstes des Bundeskriminalamtes Wien unterstützt wurden. Auch mit Hunden wurde das Gebäude durchsucht.
Seniorenheim Egg (Bild: D. Mathis)
Der Ort der Katastrophe am Tag danach. Es war die größte Brandkatastrophe im Land seit 1875.
Bei dem Feuer kamen elf Menschen ums Leben -sechs Frauen und fünf Männer.
Gebäude nicht einsturzgefährdet
Das Gebäude ist nach derzeitigen Erkenntnissen der Feuerwehr nun doch nicht einsturzgefährdet. Die tragenden Balken seien stabil. Zunächst hatte man befürchtet, das Gebäude könne während der Löscharbeiten einstürzen.

Allerdings sei das Gebäude nach dem Brand abbruchreif.
Bericht eines Augenzeugen: "Gab einen Knall"
Der Augenzeuge David Punzenberger war einer der Ersten am Unglücksort. "Es hat aus einem Fenster leicht zu rauchen angefangen, auf einmal hat es eine Explosion oder einen Knall gegeben, und aus dem Fenster kam eine Stichflamme." Sein Freund habe sofort die Feuerwehr verständigt. Menschen habe man aufgrund der Rauchentwicklung nicht aus dem Haus holen können.
Der Leiter der Feuerwehr Egg, Markus Natter, sagte, zu Berichten über eine Explosion gebe es derzeit keine Erklärung.
Brandkatastrophe Egg (Bild: D. Mathis)
Feuerwehr und Polizei haben das Seniorenheim am Samstag abgesperrt.
Norbert Fink (Bild: ORF)
Norbert Fink
Bürgermeister: "Katastrophe unerklärlich"
Die Brandkatastrophe sei für ihn unerklärlich, sagte der Egger Bürgermeister Norbert Fink. Aus derzeitiger Sicht sei davon auszugehen, dass bei allen im Heim verwendeten Materialien alles in Ordnung gewesen sei.
140 Jahre altes Gebäude
Das Gebäude des Senioren- und Pflegeheimes Vinzenz in Egg im Bregenzerwald ist bereits 140 Jahre alt, der Zustand wurde zuletzt aber für gut befunden.

Nach Angaben des Bregenzer Bezirkshauptmannes Elmar Zech gab es im Heim regelmäßige Kontrollen durch die Bezirkshauptmannschaft. Zuletzt hätten diese in den Jahren 2003 und 2006 stattgefunden. Der Hochbau-Sachverständige habe bei seinen Überprüfungen festgestellt, dass sich die Bausubstanz des Gebäudes trotz des Alters in gutem Zustand befinde.

In den Jahren 2004 und 2007 fanden Einsatzübungen der Feuerwehr mit Drehleitern im Seniorenheim statt. Bei der letzten Übung hatte die Feuerwehr Egg nach eigenen Angaben auch die Bergung von Menschen aus dem Gebäude geübt.
"Brandmelder haben funktioniert"
Auch die Brandmelder seien in Ordnung gewesen, sie hätten bei der Katastrophe funktioniert, so der Egger Feuerwehrchef Markus Natter. Warum es eine so starke Rauchentwicklung gegeben habe, sei unklar.

Angesprochen auf die Tatsache, dass die meisten Türen im Heim geöffnet waren, stellte Natter fest, "dass es für viele idealer gewesen wäre, wären die Zimmer-Türen geschlossen geblieben. Dann hätte man möglicherweise weitere Personen retten können", so Natter.
Offenbar hätten die Heimbewohner durch den Gang ins Freie flüchten wollen. Das sei aber nur eine Vermutung.
Sachverständiger der Brandverhütungsstelle: "Rauchmelder waren nicht flächendeckend angebracht"
"Rauchmelder eigentlich für Hausgebrauch"
Der Sachverständige Kurt Giselbrecht von der Vorarlberger Brandverhütungsstelle sagte aber nach einem ersten Lokalaugenschein, dass Rauchwarnmelder installiert gewesen seien, jedoch seien diese nicht flächendeckend angebracht und eigentlich für den Hausgebrauch bestimmt gewesen.

Auf die Frage, ob er als Sachverständiger weitergehende Brandschutzmaßnahmen empfohlen hätte, erklärte Giselbrecht: "Das geht sicher in Richtung etwas mehr". Es sei aber ungewiss, ob die Brandkatastrophe damit zu verhindern gewesen wäre, betonte Giselbrecht ausdrücklich
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