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MI | 11.04.2012
Pinsel. (Bild: ORF)
bregenz
NSDAP-Mitglied: Debatte um Fritz-Krcal-Weg
Der Historiker Wolfgang Weber fordert die Umbenennung des Fritz-Krcal-Weges in Bregenz. Der Maler Krcal war von 1939 bis 1943 Mitglied der NSDAP. Bürgermeister und Vizebürgermeister wollen den Namen nicht ändern.
Weg wurde im Jahr 1988 benannt
Der Fritz-Krcal-Weg führt am Gebäude der Landesregierung vorbei. Krcal gilt als einer der bedeutendsten Maler Vorarlbergs, er wurde vor allem mit Landschaftsbildern in sanften Farben bekannt. Krcal war von 1939 bis 1943 NSDAP-Mitglied und dreifacher Funktionär (Presseleiter, Kulturleiter und Blockleiter).

Krcal starb 1983 im Alter von 95 Jahren. 1988 wurde der Weg nach ihm benannt, damals war Norbert Neururer von der SPÖ Bürgermeister in Bregenz.
Bürgermeister will Namen behalten
Der Historiker und Universitäts-Dozent Wolfgang Weber vom Vorarlberger Landesarchiv fordert nun die Umbenennung des Fritz-Krcal-Weges. Bürgermeister Markus Linhart (ÖVP) und Vizebürgermeister Gernot Kiermayr (Grüne) sehen allerdings keinen Handlungsbedarf.

Die künstlerische Bedeutung von Krcal stehe in keinem Verhältnis zu seiner NSDAP-Vergangenheit. Er sei wie zigtausende andere auch zu dieser Zeit Parteimitglied gewesen und schließlich 1943 aus der Partei ausgetreten.
Weber widerspricht Bürgermeister
Am Montagnachmittag hat Weber Radio Vorarlberg eine schriftliche Stellungnahme zu den Aussagen von Linhart und Kiermayr übermittelt. Krcal sei 1943 nicht aus der NSDAP ausgetreten, sondern habe nur seine Parteiämter niedergelegt. Das habe er nach eigenen Aussagen deshalb getan, weil er der NSDAP und ihrem Ansehen nicht schaden wollte. Er und seine damalige Freundin hätten sich in Bregenz mehrfach auf offener Straße gestritten.
Es könne auch nicht von zigtausenden die Rede sein, so Weber weiter.

Rund zehn Prozent der Vorarlberger seien NSDAP-Mitglied gewesen und Krcal habe zu jenen 0,8 Prozent der Bevölkerung gezählt, die nach dem Krieg als belastete Nationalsozialisten gegolten hätten. Linhart und Kiermayr würden historische Fakten zu Gunsten Krcals gut reden.
Die Stellungnahme von Weber im genauen Wortlaut:
Es ist korrekt zu sagen, "zigtausende" waren Mitglied der NSDAP, in Vorarlberg konkret 17.045 Personen (14.544 Männer, 2.502 Frauen) von 160.000 Einwohner/innen. Das sind 10,6% der Bevölkerung. Allerdings waren davon lediglich 1.197 belastete Nationalsozialisten, einer von diesen 1.197 war Fritz Krcal. Das sind dann nicht mehr "zigtausende", sondern wenige hundert.

Die belasteten Nationalsozialisten waren diejenigen, welche der Gesetzgeber als die "wahren", die überzeugten Nationalsozialisten definierte. Sie wurden ex lege für den Untergang Österreichs und die Gräuel der NS-Diktatur verantwortlich gemacht.

Die Gegenlesart zur Aussage des Bregenzer Bürgermeisters und Vizebürgermeisters ist, dass nur jeder zehnte Vorarlberger Mitglied der NSDAP wurde. 90% wurden es nicht. Schließlich waren nur 0,8% der Bevölkerung belastete Nationalsozialisten. Fritz Krcal war einer aus dieser radikalen Minderheit von 0,8%.

Krcal trat 1943 nicht aus der NSDAP aus. Der für ihn zuständige Ortsgruppenleiter August Zwiesele gab zwei Jahre nach der Befreiung von der NS-Diktatur, am 29. September 1947, in einer eidesstattlichen Aussage an, dass Krcal 1943 seine Parteiämter niederlegte, nicht aber seine Mitgliedschaft. Krcal war also bis 1945 Mitglied der NSDAP.

Die Ämter in der NSDAP legte Krcal nach eigener Aussage nieder, weil er der NSDAP und ihrem Ansehen nicht schaden wollte. Er und seine damalige Freundin hatten sich in Bregenz mehrfach auf offener Straße Auseinandersetzungen geliefert.

Wenn der Bregenzer Bürgermeister und Vizebürgermeister also in ihrer Stellungnahme darauf verweisen, dass Krcal 1943 aus der Partei ausgetreten sei, ist das 1. falsch und 2. ist nach dem Beweggrund des Parteiaustritts zu fragen. Der Beweggrund dafür war, dass Krcal der NSDAP nicht schaden wollte.

Bürgermeister Linhart und Vizebürgermeister Kiermayr reden historische Fakten zu Gunsten Krcals gut. Sie repräsentieren damit eine Form der Erinnerungsarbeit an die NS-Diktatur, welche etwa von den Grünen im Vorarlberger Landtag vergangenes Jahr (2007) mehrfach kritisiert wurde, als sie bei zwei Anfragen bezüglich des im Silbertal geborenen Massenmörders Josef Vallaster u.a. festhielten, dass in Vorarlberg "eine breite öffentliche Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit"“ not tut (Karin Fritz im Vorarlberger Landtag am 14.11.2007, 10:02).

Bürgermeister Linhart und Vizebürgermeister Kiermayr sehen das offenbar nicht so. Denn ansonsten können sie den Künstler Krcal nicht vom Nationalsozialisten Krcal trennen und darauf beharren, dass dessen künstlerische Bedeutung seinen nationalsozialistischen Irrweg aufwiegt.

Nicht einmal Krcal selbst trennte seine politische von seiner künstlerischen Biografie: Am 20. November 1940 schaffte er als Presseleiter der NSDAP Ortsgruppe Bregenz Süd zwei Aushängekästen für seine Ortsgruppe an – und bezahlte diese aus eigener Tasche mit einem seiner Bilder. (sic!!)

Über die Benennung von öffentliche Plätzen oder Straßen signalisieren wir als Gesellschaft, wer uns als Gesellschaft wichtig ist, erinnert zu werden. Gerade im Bedenkjahr 2008, in dem wir uns als Gesellschaft daran erinnern müssen, dass die vor 90 Jahren erstmals auf österreichischen Boden geschaffene Republik vor 70 Jahren zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren durch eine Diktatur abgeschafft wurde, sollten wir offen und respektvoll genug sein, Fehlentscheidungen aus der Vergangenheit zu korrigieren.

Die Entscheidung, den Fußweg beim Landhaus in Bregenz nach Fritz Krcal zu benennen, wurde im Bedenkjahr 1988 getroffen – 50 Jahre nach dem sog. Anschluss Österreichs an NS-Deutschland. Sechs Monate zuvor, am 11. März 1988, enthüllte die Landeshauptstadt Bregenz eine Gedenktafel an die Bregenzer Todesopfer der NS-Diktatur. Sie zollte damit diesen Opfern Respekt. Ist es zu viel verlangt, wenn die heutige Stadtpolitik diesem Beispiel folgt und die Erinnerung an einen dreifachen NSDAP-Funktionär aus dem Straßenbild streicht – und damit den Fehler ihrer Vorgängerin aus dem Jahr 1988 korrigiert?
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