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MI | 11.04.2012
Abt Anselm (Bild: ORF)
religion
Pater Anselm ist neuer Abt der Mehrerau
Der neue Abt des Klosters Mehrerau in Bregenz heißt Pater Anselm van der Linde. Der 38-Jährige folgt Abt Kassian Lauterer nach, der aus Altersgründen zurückgetreten ist. Van der Linde wurde von Papst Benedikt XVI. per Dekret bestätigt.
Abt Anselm (Bild: APA/Jochen Hofer)
Abt Anselm van der Linde und sein Vorgänger Kassian Lauterer
Ernennung zum Abt auf unbestimmte Zeit.
Wahl vom Papst bestätigt
Der neue Abt wurde am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Kloster vorgestellt. Zeitgleich wurde die Ernennung auf der Homepage des Vatikans veröffentlicht. Die Wahl des Abtes wurde vorher von Papst Benedikt XVI. per Dekret bestätigt.

Der 38-Jährige Anselm van der Linde folgt Abt Kassian Lauterer nach, der nach 40 Jahren aus Altersgründen zurückgetreten ist. Abt Anselm steht nun auf unbestimmte Zeit dem Kloster vor und ist gleichzeitig Mitglied der österreichischen Bischofskonferenz.
Kloster Mehrerau
Kloster Mehrerau (Bild: ORF)
"Lichtblick für die Menschen im Land"
"Das Kloster Mehrerau spielt seit langem eine große Rolle in der Region. Ich möchte, dass das Kloster auch in Zukunft ein Lichtpunkt und ein Lichtblick für die Menschen in Vorarlberg und am Bodensee bleibt."
"Das Amt des Abtes strebt man nicht an. Am Schluss war die Entscheidung doch überraschend."
Seit 15 Jahren in der Mehrerau
Der neue Abt wurde am 24. September 1970 in Roodepoort in Südafrika geboren - als Hendrik van der Linde. Von 1989 bis 1991 studierte er zunächst Politikwissenschaften an der Universität Pretoria und war von 1989 bis 1992 als Mitarbeiter im Außenministerium der Republik Südafrika tätig. Im August 1994 trat er in die Abtei Mehrerau ein.

Nach einem Jahr als Philosophiestudent im Schweizer Kloster Einsiedeln begann van der Linde das Theologiestudium am "Angelicum" in Rom. 1999 wurde er von Bischof Klaus Küng zum Priester geweiht. 2005 erwarb er am "Angelicum" das Lizenziat in Kirchenrecht und wurde zum Kirchenanwalt der Diözese Feldkirch ernannt. 2006 erfolgte die Ernennung zum Sekretär der Mehrerauer Zisterzienserkongregation.
Pressekonferenz im Kloster Mehrerau
Kloster Mehrerau (Bild: ORF)
Heimat in Vorarlberg gefunden
"Ich bin seit 15 Jahren im Kloster Mehrerau und habe hier eine Heimat gefunden - nicht nur im Kloster, sondern auch in der Vorarlberger Bevölkerung", sagt Abt Anselm. Der gebürtige Südafrikaner ist seit kurzem österreichischer Staatsbürger.
"Wir müssen jungen Menschen klar machen, welche Freude es sein kann, in einem Kloster zu leben."

Der Alterschnitt in der Mehrerau liegt bei über 50 Jahren - und damit noch niedriger als in vielen anderen Klöstern.
Im Dienst des Klosters
Derzeit unterrichtet er an dem von den Zisterziensern begründeten Gymnasium "Collegium Sancti Bernardi" in Bregenz Religion. Der Theologe und Kirchenrechtler spricht sechs Sprachen.

Er wolle sich ganz in den Dienst des Klosters stellen, kündigte der neue Abt an. Dieser Dienst sei seine Priorität, erst in zweiter Instanz wolle er zu politischen Fragen Stellung nehmen.
Kloster Mehrerau (Bild: ORF)
Abt Anselm mit seinem Vorgänger Kassian Lauterer.
Kassian Lauterer über seinen Nachfolger: Abt Anselm hat einen großen Rückhalt im Kloster.
Vorgänger Lauterer zeigte sich erfreut
Der langjährige Abt des Klosters, Kassian Lauterer, sagte, er sei erleichtert und erfreut über die Ernennung. Sein Nachfolger habe bereits im zweiten Wahlgang die nötige Zweidrittelmehrheit bekommen. Das zeige seinen Rückhalt innerhalb des Klosters.

Lauterer selbst will sich nach der Einarbeitung seines Nachfolgers vorübergehend an einen Außenposten des Klosters zurückziehen. Dieser steht aber noch nicht fest.
"Einander in Liebe zugetan"
"Als Aufgabe des Abtes sehe ich, den Mönchen in der Liebe vorzustehen", so Pater Anselm. Das Amt des Abtes sei ein Dienst an der Gemeinschaft und der Kirche Christi, die sich nur als ein Vorstehen in der Liebe deuten lässt. "Darum lautet mein Wahlspruch "Caritate invicem diligentes" -Einander in Liebe zugetan", so der neue Abt.

Das Kloster versteht er vor allem auch als Zufluchtsort für die Menschen - und als einen Ort, wo die Menschen nach Antworten suchen können.
Das Kloster als Zufluchtsort für die Menschen.
"Niemals an Barmherzigkeit Gottes zweifeln"
Das Leben im Kloster bedeute zwar eine gewisse Abgeschiedenheit von der Welt, meint der neue Abt: "Aber der Mönch begegnet Christus täglich in seinen Mitbrüdern - und durch den Kontakt mit den Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen an der Klosterpforte anklopfen".

Als Abt der Mehrerau wünsche er sich für die Zukunft der Kirche in Österreich, "dass wir uns stets vom Evangelium leiten lassen und niemals an der Barmherzigkeit Gottes zweifeln".
Abt Anselm (Bild: ORF)
Der neue Abt liest die päpstliche Verlautbarung über seine Ernennung im Internet.
"Ich wollte unbedingt in ein Zisterzienserkloster", so Abt Anselm.
Direkt dem Papst unterstellt
Zur Mehrerauer Zisterzienserkongregation gehören weltweit dreizehn Frauenklöster und sieben Männerklöster, in denen insgesamt 370 Ordensleute leben.

Die Zisterzienserabtei Mehrerau, in der derzeit 35 Mönche leben, hat den Status einer Territorialabtei und ist direkt dem Papst unterstellt. Als Abt einer Territorialabtei ist der Mehrerauer Abt auch Mitglied der Österreichischen Bischofskonferenz.
25 Mönche waren wahlberechtigt
Der 75-jährige Abt Kassian Lauterer ist im Jänner nach 40 Jahren als Leiter des Klosters Mehrerau zurückgetreten.

Am 30. Jänner wurde der Nachfolger von Lauterer gewählt, 25 Mönche waren wahlberechtigt. Der Name des Nachfolgers musste nach der Wahl nach Rom gemeldet und durfte erst veröffentlicht werden, nachdem er vom Papst bestätigt worden ist.
Weihe findet am 21. März statt
Die nicht öffentliche Amtseinführung Van der Lindes findet am 21. Februar statt - dabei wird er den Amtseid ablegen. Die Weihe des neuen Abtes findet am 21. März in der Klosterkirche Mehrerau statt.
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