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MI | 11.04.2012
Flatz-Museum (Bild: APA/Knoch)
KULTUR
Dornbirn: Hunderte feierten Flatz-Museum
In Dornbirn ist am Freitagabend das Flatz-Museum eröffnet worden. Damit hat der gebürtige Dornbirner Wolfgang Flatz ein eigenes Museum erhalten. Zur Eröffnungsfeier zeigte er eine Performance auf dem Marktplatz.
Wolfgang Flatz (Bild: ORF)
Wolfgang Flatz
Wiegenlied für die Dornbirner
Hunderte kamen am Freitagabend und feierten den Künstler zur Eröffnung seines Museums im umgebauten Haus der Alten Naturschau. Flatz selbst bedankte sich mit einer Gesangsperformance auf dem Dornbirner Marktplatz.

Auf Tod geschminkt und schwarz gekleidet trat Flatz Punkt 22.00 Uhr aus der Giebeltür des Roten Hauses und sang den Dornbirnern sein Wiegenlied. Es wäre nicht Flatz, wenn es dabei nicht um die düstere Seite dieses alten Volksliedes gegangen wäre.
Video: Gesangsperformance
Hier sehen Sie einen Ausschnitt aus der Gesangsperformance am Marktplatz.

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"Große Chance für Dornbirn"
Das Flatz-Museum wurde im umgebauten ehemaligen Naturkundemuseum in der Marktstraße eingerichtet. Das Gebäude ist zu einem Kulturzentrum mit Architekturinstitut, Büros, Lokal und Buchhandlung umgebaut.

Während die einen das Museum als eine weitere gelungene Inszenierung des Aktionskünstlers sehen, stellt es für andere in erster Linie eine große Chance für Dornbirn dar - sei doch gerade in Sachen Kultur noch einiges aufzuholen gewesen.
Flatz-Museum (Bild: Flatz-Museum)
Nachdem er für seine Kunst in den 1970er Jahren wiederholt verhaftet wurde, ist Flatz nach München übersiedelt, von wo aus er seine Karriere startete.
Der 1952 geborene und seit langem in München wohnende Wolfgang Flatz hat nun ein eigenes Museum in seiner Heimatstadt, in der er mit seinen mitunter provokanten Performances und Aktionen früher auf wenig Verständnis gestoßen war.

In den 1970er Jahren wurde Flatz wegen seiner Kunstwerke im öffentlichen Raum mehrfach verhaftet. Eine Performance in Rankweil, bei der er einem selbstverschuldeten schweren Unfall gedachte, endete mit der Einweisung in die Psychiatrie. Daraufhin verließ Flatz das Land und startete in München seine internationale Karriere.
Flatz-Museum (Bild: Flatz-Museum)
"Bekenntnis zu einem Sohn dieser Stadt"
"Ich sehe das nicht als Wiedergutmachung, sondern als Beweis der Entwicklungsfähigkeit eines Landes in seiner Haltung zur zeitgenössischen Kunst und als ein Bekenntnis zu einem Sohn dieser Stadt", so der Künstler zur Eröffnung seines Museums.

"Ich werde viel im Land sein und viel Energie reinstecken. Ich sehe das Museum als Plattform und als Öffnung. Das ist eine Chance, Kunst im Dialog und Diskurs am Leben zu erhalten - gerade in einem Land, das sich reich entwickelt hat, auch kulturell", so Flatz.
Video: Beitrag aus "Vorarlberg heute"
ORF-Redakteur Markus Greussing war bei der Eröffnung und hat unter anderem mit Flatz selber, dessen Mutter Edith, Kunstexperte Jan Hoet und dem Dornbirner Bürgermeister Wolfgang Rümmele gesprochen.

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Teilweise Schenkung des Künstlers
Den Grundstock der Ausstellung bildet eine umfangreiche Schenkung des Künstlers an die Stadt, die ihrerseits ein Drittel des auf 50.000 Euro geschätzten Jahresbudgets aufbringen wird, die restlichen Drittel stammen vom Land Vorarlberg und der Privatwirtschaft.

Im ersten Jahr werden in dem Museum 31 Werke ausgestellt, ein Großteil stammt aus den "Physical Sculptures" der Jahre 1991 bis 1998 und aus dem 1988 entstandenen Bilderzyklus "Zeige mir einen Helden und ich zeige dir eine Tragödie", in der so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Rosa Luxemburg, James Dean, Al Capone und Julius Cäsar gewürdigt werden.
Flatz-Museum (Bild: Flatz-Museum)
Künstlerische Hindernisse zu überwinden
In die beiden Ausstellungsräume gelangt man aus der 1996 entstandenen und hier neu eingebauten Flatz-Bar erst nach Überwindung künstlerischer Hindernisse: Links ist ein aufgebauter "Büchersteig" zu überklettern, rechts muss man sich durch eine Reihe schwarzer Box-Säcke hindurchwinden.

"Mut tut gut" spornt ein Flatz-Zitat an der Wand hinter der Bar in blauer Neonschrift die Besucher an, und an der Wand gegenüber sieht man, wohin man es als mutiger Künstler bringen kann: etwa auf die Cover von Zeitschriften.
Flatz-Museum (Bild: Flatz-Museum)
Teil als Dauerausstellung gedacht
Eine Hälfte der Museumsfläche ist als Dauerausstellung gedacht, der Rest soll mit Wechselausstellungen gestaltet werden, in der Flatz sich auch in dialektischen Austausch mit anderen Künstlern begeben möchte: "Meine künstlerische Sprache ist vielleicht vordergründig trivial, aber es gibt andere, die eine sensiblere Sprache verwenden. Und es wird im Laufe des Jahres auch immer wieder Veranstaltungen geben, auch Performances und spartenübergreifende Dinge."
Flatz-Museum (Bild: APA/CH. KNOCH)
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