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MI | 11.04.2012
Bischof Elmar Fischer (Bild: APA/Stiplovsek)
KIRCHE
Bericht: Vorwürfe gegen Bischof "glaubhaft"
Psychiatrieprofessor Hinterhuber bezeichnet die Gewaltvorwürfe gegen Bischof Elmar Fischer als "glaubhaft". Es handle sich aber nicht um "lustvolle Ausübung" von Macht. Fischer sagt, seine Erinnerung sähe anders aus, entschuldigt sich aber.
Vier Männer meldeten sich
Im Bericht des Innsbrucker Psychiatrieprofessors Hartmann Hinterhuber ist von vier Männern die Rede, die sich mit Gewaltvorwürfen gegen Fischer bei Hinterhuber gemeldet haben. Die Vorwürfe bezögen sich auf körperliche Übergriffe in den 1960er- und 1970er-Jahren.

Die Männer hätten gefordert, dass ihre Erinnerung an die Vorfälle respektiert werde. Die Mehrheit erwarte sich, dass Fischer ihnen gegenüber sein Bedauern ausspreche.
Bericht: Keine lustvolle Ausübung von Macht
Der Psychiatrieprofessor bezeichnet alle vier Anschuldigungen als glaubhaft. "Die tätlichen Übergriffe sind in einem emotionalen
Kontext zu betrachten, wenngleich dies die Übergriffe weder rechtfertigt noch entschuldigt", heißt es in dem Bericht. Sie seien "nicht als Ausdruck einer lustvollen Ausübung eines Machtverhältnisses zu interpretieren".
Empfehlung: Würdigung und Entschuldigung
Hinterhuber berichtet, er habe die Vorwürfe mit dem Bischof in einem langen Gespräch erörtert. Dabei habe dieser die Idee entwickelt, "die
subjektiven Erinnerungen der Einzelnen zu würdigen" und sich auch zu entschuldigen.

Dies entspricht auch den Verhaltensempfehlungen des Psychiatrieprofessors. Er habe im Übrigen auch Anrufe ehemaliger Schüler erhalten, die sich positiv über Fischer geäußert hätten.
Gewalt an Kindern und Jugendlichen sie nie gerechtfertigt, so der Bischof.
Bischof entschuldigt sich
Der Feldkircher Bischof schreibt in einer Stellungnahme, dass sich die Dinge in seiner Erinnerung anders darstellten. Er wolle aber "auch der Erinnerung der Betroffenen Vertrauen entgegen bringen" und habe sie in einem
persönlichen Brief um Entschuldigung gebeten, wenn sie "damals etwas als verletzend
empfunden" hätten.

Gewalt an Kindern oder Jugendlichen sei nie gerechtfertigt, so der Bischof weiter. Das gelte auch für die Zeit vor 40 Jahren, als körperliche Gewalt als Erziehungsmittel weitgehend üblich und toleriert war.

In einem Gespräch mit dem "KirchenBlatt" räumt Fischer ein, auch ihm seien Erziehungsfehler passiert. Er könne sich an einige Auseinandersetzungen erinnern, "im Konkreten allerdings nicht an die Vorfälle, die mir hier vorgeworfen werden".
Mehrere Gewaltvorwürfe
Bischof Fischer ist seit März mit Gewaltvorwürfen konfrontiert. Er soll demnach in seiner Zeit als Lehrer bzw. Internatsleiter - in den 1960er-bis frühen 1980er-Jahren - mehrere Schüler geschlagen haben. Ein Mann warf ihm vor, ihm eine Rippe gebrochen zu haben.

Fischer räumte ein, er habe in einem anderen - von den Medien nicht berichteten- Zusammenhang einem Jugendlichen einmal eine Ohrfeige verpasst. So etwas könne für Jugendliche auch "hilfreich" sein, als Befürworter der "gesunden Watsch'n" wolle er sich aber nicht verstanden wissen.

Die Diözese Feldkirch versuchte über ihre Ombudsstelle, zwischen möglichen Opfern und Tätern zu vermitteln, wie auch über Hinterhuber, der mit der Prüfung der Gewaltvorwürfe gegen Fischer betraut wurde.

Die polizeiliche Befragung der Personen, die die Anschuldigungen gegen Fischer erhoben, wurde bereits Mitte Mai abgeschlossen.
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