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MI | 11.04.2012
Zugunglück (Bild: ORF)
BRAZ
Zugunglück: Strecke bis Dienstag geschlossen
Nach dem Zugunglück am Mittwoch in Braz wird die Arlbergbahnstrecke am Dienstagabend wieder in Betrieb genommen. Ein Güterzug war entgleist, Autos wurden von den Waggons geschleudert. Die Bremsen des Zuges haben laut ÖBB versagt.
Zugunglück (Bild: Reinhard Mohr)
Grafik (APA/ Waxmann) Bremsen im hinteren Teil des Zuges versagt
Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden der ÖBB-Infrastruktur, Herwig Wiltberger, haben im hinteren Teil des Zuges die Bremsen versagt. Menschliches Versagen könne jedenfalls ausgeschlossen werden, sagte Wiltberger am Mittwoch gegenüber dem ORF Vorarlberg. Der Defekt habe dazu geführt, dass im überwiegenden Teil des Zuges keine Bremswirkung erzielt werden konnte.

Dass es noch einmal zu so einem Defekt kommen kann, könne man ausschließen, so Wiltberger. Da man nun wisse, welcher Teil defekt war, würden diese Teile nun besonders beachtet. Ein Personenzug hat nach Angaben von Wiltberger eine andere Art der Bremsanlage.
Video
Herwig Wiltberger im "Vorarlberg heute"-Interview am Mittwochabend

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Lokführer erlitt schweren Schock
Der Lokführer des Güterzuges erlitt beim Unfall, der sich in der Nacht auf Mittwoch gegen 3.00 Uhr ereignete, Prellungen und einen schweren Schock.

Der Lokführer hatte laut ÖBB-Pressesprecher Rene Zumtobel versucht, im "Brazer Bogen" langsamer zu fahren. Er schaffte es jedoch nicht, die Geschwindigkeit des 548 Meter langen und 777 Tonnen schweren Zuges zu reduzieren. Der Zug war in der Kurve mit 120 statt wie vorgeschrieben 60 km/h unterwegs.
Zugunglück (Bild: Reinhard Mohr)
Erhebungen an Unfallstelle abgeschlossen
Die Unfallkommission des Ministeriums hat die Erhebungen an der Unfallstelle abgeschlossen. Fotos wurden geschossen, um den Hergang rekonstruieren zu können und geborstene Teile wurden sichergestellt. Entscheidende Hinweise erhoffen sich die Beamten aber von der Blackbox, die aus der Lok geborgen wurde.

Für die Aufräumarbeiten sind schwere Eisenbahnkräne im Einsatz. "Zunächst werden die Autos geborgen, anschließend versuchen wir, die Waggons wieder aufs Gleis zu stellen. Sollte das nicht möglich sein, wird man sie unter Umständen zerschneiden müssen", so Zumtobel.
Video: Güterzug entgleist in Braz

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Zug kam drei Meter vor Haus zum Stillstand
Die Anrainer der Westbahnstrecke bei Braz sind entsetzt. Erst im Tageslicht wurde ihnen bewusst, wie knapp sie einer Katastrophe entronnen sind. Der entgleiste Zug kam nur drei Meter vor einem Einfamilienhaus zum Stillstand. Er hatte in etwa 300 Autos geladen. In den umliegenden Gärten stapeln sich Autos, die der Güterzug vom rumänischen Curtici nach Frankreich transportieren hätte sollen.

Nach Angaben des Bludenzer Bezirkshauptmanns Johannes Nöbl entgleisten im Brazer Bogen zunächst die letzten vier Waggons des Zuges, ehe einige hundert Meter weiter bei der ersten Weiche am Ostkopf des Bahnhofs Braz dann die Lok und die übrigen Waggons ausgehoben wurden.

"Die Lok liegt drei Meter vor einer Haustüre. Die Waggons und die Autos wurden auf den Campingplatz geschleudert. Wir hatten Riesenglück, dass nicht mehr passiert ist", sagt Nöbl.

Laut Zumtobel war jeder der 16 Waggons mit 15 bis 20 Autos beladen. Zehn der 16 Waggons wurden aus den Schienen katapultiert und wie zahlreiche der geladenen Wagen auf und neben den Bahndamm geschleudert.
Zugunglück (Bild: D. Mathis)
Schaden geht in die Millionen
Der Schaden, der durch den Unfall auf der Westbahnstrecke entstand, ist enorm. Es sind sowohl die Oberleitung als auch 800 Meter Gleise schwer beschädigt. Außerdem sind neun Fahrleitungsmasten gebrochen und müssen erneuert werden.

"Der für die ÖBB entstandene Schaden wird die Millionengrenze überschreiten", revidierte Zumtobel bereits am Mittwochnachmittag eine wenige Stunden zuvor abgegebene Schätzung, wonach man an der Millionengrenze "kratzen" werde. Laut ÖBB rechnet man mit etwa fünf Millionen Euro Schaden.
"Keine Gefährdung für die Umwelt"
Die verstreuten Fahrzeuge hatten Batterienflüssigkeit verloren. Da die Feuerwehr diese allerdings rasch binden konnte, gebe es für die Umwelt keine Gefährdung, so Zumtobel.
Zugunglueck (Bild: Reinhard Mohr)
Umleitung und Schienenersatzverkehr
Die ÖBB haben zwischen Bludenz und Landeck einen Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Fahrgäste müssen mit bis zu 20 Minuten Verzögerung auf dieser Fahrstrecke rechnen.

Die Fernverkehrszüge, etwa der EN 466 von Wien nach Zürich, werden bis auf weiteres über München - mit entsprechenden Fahrzeitverlängerungen - umgeleitet.

Die Zugs- und Fahrplanauskunft der ÖBB erreichen Sie unter der Telefonnummer 05 - 1717.
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