Vorarlberg ORF.at
MI | 11.04.2012
Euthanasie (Bild:ORF)
GESCHICHTE
Auch Vorarlberger NS-Opfer in Hall begraben?
In dem neu entdeckten Gräberfeld in Hall in Tirol sind vermutlich auch Vorarlberger Opfer der Nationalsozialisten begraben. Das Schicksal von 68 Menschen ist bis heute nicht geklärt.
227 Menschen von der Valduna nach Hall
In insgesamt drei Transporten wurden im Frühjahr 1941 insgesamt 227 Menschen aus der Valduna nach Hall in Tirol überstellt. "Knapp 40 Prozent der nach Hall deportierten Menschen sind dort ums Leben gekommen. Ein Großteil wurde wahrscheinlich durch Nahrungsentzug oder mit Medikamenten umgebracht", sagt Historiker Gernot Kiermayer. Das Schicksal von 68 Menschen ist bis heute unklar. Sie könnten in Hall getötet worden sein.
"Wilde Euthanasie" der Nationalsozialisten
Im Frühling 1941 transportierten die Nationalsozialisten insgesamt 227 Menschen aus der Valduna in Rankweil nach Hall in Tirol. Die sterblichen Überreste einiger NS-Opfer könnten auf dem Gräberfeld in Hall liegen, das am Montag durch Zufall entdeckt wurde. Im August 1941 wurde die NS-Euthanasie-Aktion zwar gestoppt, zum Teil erfolgten aber weiter Tötungen durch Vernachlässigung, Unterernährung oder Überdosierung von Medikamenten. Diese Phase wird heute als "Wilde Euthanasie" bezeichnet.
Transporte von Valduna nach Hartheim
"Die neuen Nachrichten aus Hall könnten bestätigen, dass auch einige Vorarlberger der 'Wilden Euthanasie' in Hall zum Opfer gefallen sind", so Historiker Norbert Schnetzer.

"Gesichert ist, dass es im Februar und März 1941 zwei Transporte von der Valduna nach Hartheim in Oberösterreich gegeben hat. Dort wurden schließlich alle Insassen - mit einer Ausnahme - ermordet", sagt Schnetzer.
Gernot Kiermayer (Bild: ORF)
Historiker Gernot Kiermayer
Nur einzelne Proteste gegen Deportation
"Die Patienten in der Valduna waren für viele Angehörige kaum mehr erreichbar. Das ist einer der Gründe, warum die Deportation dieser Menschen relativ widerstandslos vonstattenging. In einzelnen Dörfern hat es aber auch Proteste gegeben", so Historiker Kiermayer.
"V-heute": Beitrag von Manfred Welte

Dieses Element ist nicht mehr verfügbar

Übergriffe von Pflegern in NS-Zeit
Allgemein hat sich das Klima nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten auch in der Valduna stark verändert. "So wurde das Personal in der Valduna sehr schnell ausgetauscht. Von den neuen Pflegern hat es einige Übergriffe auf Patienten gegeben. Dabei ist es auch zu Todesfällen gekommen", sagt Norbert Schnetzer.
"Keine Tötungslager in Vorarlberg"
Schnetzer schließt aber aus, dass es auch in Vorarlberg Tötungslager gegeben hat. "Denn von der Valduna wurden die meisten Menschen abtransportiert. Hätte es ein Tötungslager gegeben, wären die Menschen vermutlich hier geblieben", so Schnetzer.
Nun Ausgrabungen in Hall
Die Tiroler Landeskranken-Anstalten-GmbH will mit ein einem eigenen Projekt nun die Geschichte des Anstaltsfriedhofes in Hall erforschen. Der nächste Schritt ist die archäologische Ausgrabung, die voraussichtlich im März starten soll und etwa drei Monate in Anspruch nehmen wird.

Parallel dazu beginnen bereits erste historische Voruntersuchungen. Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt.
Ganz Österreich
Vorarlberg News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News