Vorarlberg ORF.at
MI | 11.04.2012
Experimente in der Schule (Bild: ORF)
BILDUNG
Sausgruber will Frühpädagogik ausbauen
Nach dem schlechten PISA-Ergebnis kündigt Landeshauptmann Herbert Sausgruber (ÖVP) an, dass es künftig mehr Ressourcen für die Frühpädagogik geben soll. Lehrervertreter fordern den Ausbau der Ganztagesschule.
"Die Bildungspolitik soll verstärkt werden"
LH: "Lesen muss Volkssport werden"
Sausgruber kündigte am Dienstag an, dass Lesen wieder Volkssport werden müsse. Zum einen sollen Lesen zu Hause bei den Eltern, aber auch im Kindergarten und in der Volksschule gefördert werden. Dort soll mit der Vermittlung der Grunderkenntnisse angesetzt werden.

Eine Änderung der Vorarlberger Bildungspolitik aus Anlass des PISA-Ergebnisses sei nicht notwendig, da die Grundkonzeption richtig sei. Diese sehe bereits eine Fokussierung auf die Frühpädagogik vor, die nun noch verstärkt werde. Der Chef des für die Testdurchführung zuständigen Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), Günter Haider, hatte die Bemühungen Vorarlbergs am Montag als "richtig platziert" bezeichnet.

Laut Sausgruber nimmt die Regierung die Bildungspolitik sehr ernst und werde künftig Ressourcen zur Verfügung stellen, "wo es notwendig ist, zu unterstützen".

Dieses Element ist nicht mehr verfügbar

Video: Herbert Sausgruber auf der Pressekonferenz.
Es werden mehr Geld und Ressourcen für die Volksschulen gewünscht.
Sorge um ausgebrannte Lehrer
Radio Vorarlberg hat einige Lehrer und Direktoren befragt, was sie nach dem Bekanntwerden des PISA-Ergebnisses fordern.

Der Leiter der Volksschule Wolfurt, Bernd Dragosits, will mehr Geld und Ressourcen für die Kindergärten und Volksschulen. Dort seien am ehesten die Lern- und Sozialdefizite ausgleichbar. Derzeit werde aber besonders die Neue Mittelschule gefördert, dort sei es aber schon zu spät.

Dragosits fordert außerdem für Brennpunktschulen Sozialarbeiter, die mehr als zwei Stunden wöchentlich vor Ort sind. Wegen der notwendigen Zusatzbetreuung habe er eine ganze Reihe ausgebrannter Kolleginnen.
"Die Eltern haben teilweise wenig Ahnung."
Elternunterricht wird gefordert
Barbara Platzgummer von der Volksschule Haselstauden schlägt einen Elternunterricht vor. Teilweise hätten diese wenig Ahnung. Viele wüssten oft nicht einmal, dass hoher Fernsehkonsum schädlich ist.

Platzgummer spricht sich auch für die Einführung der Gesamtschule aus. Dann würde der Notendruck in der vierten Klasse Volksschule wegfallen.
"Auswendiges Lernen steht im Vordergrund."
Sinnerfassende Kompetenzen gefordert
Der Direktor des Gymnasiums Rebbergasse Feldkirch, Ullrich Sandholzer, sieht Defizite im Bildungssystem.

Im Vordergrund stehe das auswendige Lernen und das reproduzieren von Wissen, beim PISA-Test gehe es viel mehr um sinnerfassende Komptenz.
Für einen verpflichtenden Kindergartenbesuch ab drei bei Sprachproblemen.
"Für Kinder aus bildungsfernen Schichten"
Wenn Kinder Sprachprobleme haben, müssten sie schon als Dreijährige verpflichtend den Kindergarten besuchen, fordert Vorarlbergs oberster Pflichtschullehrer-Gewerkschafter Gerhard Unterkofler. Für Kinder aus bildungsfernen Schichten sei zudem die Ganztagesschule dringend notwendig.

Unterkofler wünscht sich auch die Umsetzung der gemeinsamen Schule. In den Neuen Mittelschulen und Hauptschulen würden oft die starken Schüler fehlen, die die Schwachen mitziehen könnten.
"Es braucht einen vernünftigen Arbeitsplatz für Lehrer in den Schulen."
Uni-Ausbildung für Kindergartenpädagogen
Für Kindergartenpädagogen fordert Unterkofler eine universitäre Ausbildung. Und Lehrer müssten einen vernünftigen Arbeitsplatz in der Schule haben.

"Wir müssen jetzt Geld ausgeben, damit uns die Defizite später nicht auf den Kopf fallen", sagt Unterkofler im Radio-Vorarlberg-Interview.
Für eine Ganztagesschule für alle Pflichtschüler.
"Freude am Lesen vermitteln"
Die Ganztagesschule für alle Pflichtschüler fordert auch der Obmann der Österreichischen Professorenunion, Gerald Fenkart.

Ebenfalls wünscht er sich auch mehr Sprachförderung für Kindergartenkinder. Ein Ziel müsse es auch sein, den Kindern möglichst früh die Freude am Lesen zu vermitteln.
Es wird auch mehr Geld für Kindergartenpädagogen gefordert.
Mehr Gehalt für Volksschullehrer
Mehr Lehrer und mehr Förderunterricht sind die Forderungen von Gerhard Rüdisser, Obmann der Unabhängigen Bildungsgewerkschaft. Auch für ihn führt kein Weg an einer Ganztagesschule, zumindest an vier Wochentagen, vorbei.

In Vorarlberg würden die Schüler besonders stark in Hauptschüler und Gymnasiasten selektiert. Weiters fordert Rüdisser eine finanzielle Aufwertung der Kindergartenpädagogen und Volksschullehrer.
Ganz Österreich
Vorarlberg News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News