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MI | 11.04.2012
Provikar Lampert (Bild: ORF)
RELIGION
Empfehlung: Carl Lampert soll "selig" werden
Das Kardinalskollegium hat am Dienstag die Seligsprechung des Vorarlberger Märtyrers Carl Lampert empfohlen. Jetzt fehlt nur noch die Unterschrift des Papstes. Lampert hatte sich aus religiöser Überzeugung dem NS-Regime widersetzt.
Verfahren begann vor 13 Jahren
Vor knapp 13 Jahren hatte der damalige Feldkircher Bischof Klaus Küng das Seligsprechungsverfahren für Märtyrer Carl Lampert eingeleitet. Nun ist ein Ende des Prozesses und damit auch die Seligsprechung in Sicht.

Der in Göfis geborene Lampert setzte sich während der Herrschaft der Nationalsozialisten für den Glauben, die Kirche und die Menschen ein und trotzte dem Regime. Sein Engagement für seine Überzeugung und sein Gewissensbeispiel erlebten dann, neben Vorarlberg, vor allem auch in der ehemaligen DDR große Verehrung.
Termin für Entscheidung steht noch nicht fest
Nach dem heutigen Zusammentreffen der vatikanischen Selig- und Heiligsprechungskongregation hat die Kardinalsversammlung dem Papst empfohlen, Carl Lampert selig zu sprechen. Zur Seligsprechung fehlt jetzt nur noch die Entscheidung des Papstes und seine Unterschrift unter das entsprechende Dekret. Ein definitiver Termin dafür steht noch nicht fest.

Carl Lampert wäre der erste Vorarlberger, dessen Seligsprechung auch hier gefeiert würde. Im Falle eines positiven Bescheids würde die Seligsprechungsfeier in der antragstellenden Diözese, also der Diözese Feldkirch, mit der "Erhebung des Seligen zur Ehre der Altäre" erfolgen.
Bischof Elmar Fischer (Bild: ORF)
Bischof Elmar Fischer
Bischof Fischer: "Er hat nicht weggeschaut"
Für Diözesanbischof Elmar Fischer wäre die Seligsprechung von Provikar Carl Lampert für die Diözese Feldkirch und weit darüber hinaus ein bedeutsames Ereignis.

"Eine Seligsprechung", so Bischof Fischer, "ist weit mehr, als dass wir in die Geschichte zurückschauen und uns an eine Person und die damaligen Zeitumstände erinnern. Vielmehr geht es bei der Seligsprechung darum, dass wir uns Provikar Lampert und seinen Glauben für uns und unsere Zeit als Vorbild nehmen."

Provikar Lampert habe den Menschen noch heute viel zu sagen. Unrechtssituationen ließen ihn nicht kalt. Er hat nicht weggeschaut, nicht geschwiegen, und ließ es sich nicht nehmen, dass Unrecht eben Unrecht ist. Diesen Mut, diese Klarheit und Offenheit brauche man auch heute.
Lamperts Widerstand gegen das NS-Regime
Carl Lampert wurde am 9. Jänner 1894 in Göfis in Vorarlberg geboren. Während des Systems der nationalsozialistischen Herrschaft setzte er sich für den Glauben, die Kirche und die Menschen gegen das Regime zur Wehr. Damit wurde er zum Dorn im Auge der damaligen Machthaber, die Adolf Hitler Tirol und Vorarlberg zum Geburtstag als "kirchenfreies Gebiet" präsentieren wollten. In einer Zeit der Angst bewies Carl Lampert den Mut, auf Unrecht hinzuweisen, Verfolgung aufzuzeigen und der Wahrheit treu zu bleiben.

Mehrmals wurde Carl Lampert zum Tode verurteilt, wiederholt wurde ihm – noch während seiner Haftzeit im Zuchthaus "Roter Ochsen" (Halle an der Saale) – die Freiheit angeboten - unter der Bedingung, den Priesterstand zu verlassen. Lampert lehnte ab. Sein Gewissen erlaubte es ihm nicht, sich auf die Spiele der Mächtigen einzulassen und zu deren Instrument degradiert zu werden.

Am 13. November 1944 wurde Lampert in Halle an der Saale hingerichtet. Er ist der ranghöchste Priester, der von den Nationalsozialisten im sogenannten "Großdeutschen Reich" ermordet wurde.
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