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MI | 11.04.2012
Carl Lampert (Bild: ORF)
RELIGION
Seligsprechung von Lampert im November
Am 13. November findet in der Dornbirner Pfarre St. Martin die Seligsprechung von NS-Widerstandskämpfer Provikar Carl Lampert aus Göfis statt. Es wird die erste Seligsprechung eines Vorarlbergers sein.
Fischer "Ein Vorbild des Glaubens"
Mit seinem aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus war der 1944 hingerichtete Göfner Carl Lampert ein Vorbild des Glaubens, sagt Bischof Elmar Fischer. "Mit Carl Lampert dürfen wir auf einen Fürsprecher hoffen, der auch für unsere Zeit bedeutsam ist", sagte Fischer am Freitag.

Fischer hob Lamperts klare Durchsicht der gesellschaftlichen Vorgänge, sein Gespür für Gerechtigkeit und sein Auftreten gegen Gleichgültigkeit hervor. Das seien Haltungen, die "uns in der Gesellschaft auszeichnen sollten auch heute", so Fischer.

Der Präfekt der Selig- und Heiligsprechungskongregation, Kardinal Angelo Amato, soll in Vertretung des Papstes die Seligsprechung vornehmen.
Video
"Vorarlberg heute"-Beitrag von ORF-Redakteurin Daniela Marte.

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Lamperts Widerstand gegen das NS-Regime
Carl Lampert wurde am 9. Jänner 1894 in Göfis in Vorarlberg geboren. Während des Systems der nationalsozialistischen Herrschaft setzte er sich für den Glauben, die Kirche und die Menschen gegen das Regime zur Wehr. Damit wurde er zum Dorn im Auge der damaligen Machthaber, die Adolf Hitler Tirol und Vorarlberg zum Geburtstag als "kirchenfreies Gebiet" präsentieren wollten. In einer Zeit der Angst bewies Carl Lampert den Mut, auf Unrecht hinzuweisen, Verfolgung aufzuzeigen und der Wahrheit treu zu bleiben.

Mehrmals wurde Carl Lampert zum Tode verurteilt, wiederholt wurde ihm – noch während seiner Haftzeit im Zuchthaus "Roter Ochsen" (Halle an der Saale) – die Freiheit angeboten - unter der Bedingung, den Priesterstand zu verlassen. Lampert lehnte ab. Sein Gewissen erlaubte es ihm nicht, sich auf die Spiele der Mächtigen einzulassen und zu deren Instrument degradiert zu werden.

Am 13. November 1944 wurde Lampert in Halle an der Saale hingerichtet. Er ist der ranghöchste Priester, der von den Nationalsozialisten im sogenannten "Großdeutschen Reich" ermordet wurde.
Kunstwerk neben der Kirche
Lampert war von 1918 bis 1930 Kaplan in Dornbirn St. Martin. Deshalb wird die Seligsprechung hier stattfinden, sagt Pfarrer Josef Schwab. Die Seitenkapelle wird nach Lampert benannt und gestaltet.

Neben der Kirche soll bis 2012 ein Kunstwerk auf das Leben Lamperts aufmerksam machen, so Schwab. Auf einer Wiese vor dem Turm soll ein künstlerischer Wettbewerb durchgeführt werden. Dabei steht die künstlerische Auseinandersetzung mit der Person Lampert im Mittelpunkt.

Von September bis November werden im ganzen Land Vorträgen, Diskussionen, Gedenkfeiern und Gottesdienste organisiert. An unterschiedlichen Orten in Vorarlberg soll mit einem Baucontainer auf das Leben Lamperts aufmerksam gemacht werden.
Seligsprechungsverfahren
Vor 13 Jahren wurde das Seligsprechungsverfahren um Provikar Carl Lampert eingeleitet. Monsignore Walter Juen begleitete den Prozess von Anfang an - von den vorbereitenden Maßnahmen bis zum Warten auf die Nachricht aus Rom.

Wollte man die Beweisaufnahme zum Seligsprechungsverfahren mit dem Maßband messen, dann füllt sie heute rund fünf Meter an Büroraum. Im Zahlen sind das 34 Ordner, fünf Fotoordner, unzählige Video- und Tonaufnahmen, Zeitungsartikel, Fernsehbeiträge usw.
Kirche Dornbirn (Bild: ORF)
Kirche St. Martin in Dornbirn
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